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gefährten halfen ihr allerdings in hohem Maße und verschaffteihr, des ist zuzugeben, eine viel glücklichere Arbeitsbasis aden meisten ihrer Genossinnen. Doch dafür gab sie allen, dienahekamen, ihre selbstverständliche Hilfsbereitschaft, ihre Ageschlossenheit, die Harmonie ihrer Persönlichkeit, die sie aihren glücklichen Lebensumständen entwickelt hatte.
Das politische Leben in der Hamburger Arbeiterschaft war lebhiand bereicherte beide Reitzes. Manche Versammlungs- Tournee fürte sie außerdem ins Land hinaus, und Hanna hatte in einer Zeitin der weibliche Referenten in der Partei besonders beliebt waren, große Erfolge. Hamburg gehörte, als 1908 das Reichsvereingesetz den Frauen die Möglichkeit zu politischer Arbeit ein-räumte zu den besten Bezirken. Johanna gehörte von da an demHamburger Parteivorstand an. Während des ersten Weltkrieges wurde sie Mitglied des" Hamburger Versorgungsamtes" und des" Speiseausschusses für Kriegsküchen", sie arbeitete in derKriegsfolgenhilfe und in der Hinterbliebenenfürsorge. So war esselbstverständlich, daß das Vertrauen der Wähler sie in dieHamburger Bürgerschaft und in die Nationalversammlung wählte,später auch in den Reichstag , dem sie fast bis zum Schluss ange.hörte. In der parlamentarischen Arbeit interessierten sie alleFragen, die sich aus dem neuen Frauenrecht ergaben, u.a. Haus-gehilfengesetz, Fortbildungsschulpflicht, gesetzliche Regelung
des Arbeitsverhältnisses.
In Weimar lernten wir Johanna noch anders kennen: wir Frauen er-lebten ja alle damals sehr stark den plötzlichen Übergang vomhalbabsoluten Regiment des Kaiserreichs zur endlichen BefreiungDazu kam, dass der Druck des Krieges von uns genommen war. Wirwaren alle offen und empfänglich, ja hungerig auf das Schöne,Edle, auf die Kulturwerte des Lebens. Und so wanderten wir durchWeimars Park zu Goethe's Gartenhaus, nach Tiefurt , nach Belve-dere. Die Zeit Goethes und Schillers wurde uns lebendig. Wirstanden vor dem Haus Charlotte v.Steins, vor dem Grab Christi-anes, wir gingen durch das Haus am Frauenplan. Durch das gemein-same Erlben war eine Atmosphere geschaffen, die leichter alssonst Aussprachen ermöglichte und Freundschaften entstehen ließ,die Dauer hatten, deren menschlicher Untergrund nicht zerstörtwerden konnte. Dabei war Hanns kein sinnierender Mensch: immernahm sie an Streitfragen leidenschaftlich teil, wie etwas beider Frage der Bewilligung der Kriegskredite, wo sie auf der Sei-te der Mehrheit temperamentvoll gekämpft hatte.
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An vielen Parteitagen und Frauenkonferenzen hat Hanna Reitze