Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 
  

86-

Verbindung mehr zu ihrem Sohn gehabt. Das mütterliche Opferhat Luise Kautsky bezahlen müssen.

Am 11. August 1944 wurde sie 80 Jahre alt. Freunde hatten da-für gesorgt, daß sie an diesem Tage nicht verlassen war. WenigeTage später wurde sie verhaftet und nach Auschwitz überführt.Die Aufregung der Verheftung, der grauenhefte und lange Trans-port von Holland nach Polen , das ständige Zusammensein mit zuvielen Menschen in dem stark überbelegten Block, die Lagers tää oin überfüllten Kojen, nicht zuletzt die Lagerkost hatten die80jährige sehr geschwächt. Durch die Bemühungen und die Zusam-menarbeit der Lagerärztinnen kam Luise Kautsky in eine Kranken-abteilung, wo die selbst internierten- Aerztinnen das dortmensch mögliche an Erleichterungen ihr verschafften. Und auchhier, in dieser Umgebung, hatte Luise Kautsky noch immer ihregroße menschliche Liebenswürdigkeit und ihre geistige Lebendig-keit. Sie gewann sich dadurch die ärztlichen Schicksalsgenossie-nen, und sie gewann sogar dadurch einen Lagerarzt, einen SS-Hauptstormführer, der sich mit interesiert unterhielt und demes wahrscheinlich zu verdanken ist, daß ihr der Gastod erspartblieb." Sie war und darin lag ihre Anziehungskraft- in ihrerganzen Haltung ein Beweis dafür, daß die Persönlichkeit auchim KZ noch durchdrang und selbst unter diesen schaurigen Ver-hältnissen ihre volle Wirkung ausübte", schreibt eine der Arz-tinnen. Das Los des Sohnes im selben Lager, den sie ber nichtsehen konnte, hat sie sehr bekümmert, wie natürlich auch ihndas ihre. Luises Betrederin schaffte es aber, ihm Botschaftund Zettel von der Mutter zukommen zu lassen".... ich bakmabekam von ihrer Hand ein paar armselige Zettelchen, mühselig imBett, im Halbdunkel geschrieben und doch, welche Tapferkeitsprach aus ihnen. Sie zeigten mir, daß sie ihre wunderbare Fä-higkeit, sich Freunde zu erwerben, such in dieser Zeit bewahrthatte." Die Mutter sorgte sich, daß sie seinen 50. Geburtstagnicht verschönern konnte! Der ermselige Trost, ihn nahe zu wis-sen, war beld zu Ende; denn der Krankebau, in dem sie Unter-kunft, gefunden hatte, wurde in ein früheres Zigeunerlager ver-legt. Dieser Transport hat ihr den letzten Schock gebracht.An einem Tage im Anfang Dezember 1944 schlief sie für immer ein.Niemand weiß ihr Grab. Kein Stein mit einer Inschrift, gewidmetvon denen, die sie liebten, zeugt von ihr. Nur die Worte, dieKarl Kautsky seinem Werk über" Die materialistische Geschichts-auffassung" voransetate:

Dies Buch wideme ich meiner teurenLUISE