Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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Emma Döltz

( 1866- 19507

..wir lebten im Armenhause in Steglitz . Meine Mutternähte Pantoffeln. Der Vater war früh gestorben. Oft muß=ten wir Kinder bis in die tiefe Nacht hinein helfen, dannerzählte meine Mutter uns Märchen, damit wir muneer blieben"So erzählte Emma Döltz einmal in einer seltnen Stunde.Was für ein Mensch hätte sie werden können, wenn ihr allegeistigen und seelischen Entfaltungsmöglichkeiten gegebenworden wären, auf die junge Menschen einen moralischen An=spruch haben? Wie wäre sie geworden, wenn sie ncit in diesergroßen Armut hätte aufwachsen müssen? Von frohem Gemüt, fürdas Schöne empfänglich, mit gesunder und klarer Intelligenzausgestattet, begnadet mit einer- von der Mutter ererbtenlyrischen Begabung war sie ganz dazu geschaffen, glücklichzu sein und Glück weiterzugeben. So aber trug sie ein ähn=liches Los wie ihre Mutter, das der Armut. Wohl ein weniggemildert, dazu schien das Licht der sozialistischen Erkennt=nis in dieses Leben, machte es heller und gab ihm Wert undErfüllung. Emmas Ehegefährte war wohl ein guter Mensch, daßer zu wenig verdiente, um seine Frau vor materiellen Sorgenzu schützen war nicht seine Schuld. Daß auch den Kindernaus dieser Ehe viele wertvolle Bildungsmöglichkeiten ver=sperrt blieben empfanden die Eltern drückend. Es fehlte domMann und Vater etwas Phantasie und die nötige innere Stärke,deshalb trieb es ihn manchmal zu Freunden, wo er das Gefühlder Unzulänglichkeit zu vergessen suchte. Doch wenn er auchmanchmal brummte, weil die Mutter so viel unterwegs war, sowar er doch stolz auf seine geistig so bewegliche Frau, dieihre Pflicht für die Allgemeinheit erfüllte und dabei eineso gute Mutter ihrer Kinder war.

Schon der ganz jungen Arbeiterin waren viele Ungerechtig=keiten aufgefallen, Warum erhielten die Frauen so viel we=niger Lohn als die Männer? War ihre Arbeit weniger wert?****Warum wurde die außerhalb des Hauses um vieles besser be=zahlt als die Heimarbeiterin, die doch Licht, Heizung, Näh=garn und Maschine hergeben mußte? Warum mußte man um einenoch so unzureichende Gewerbeaufsicht erst so bitter kämp=fen und warum waren die Heimarbeiterinnen ganz davon aus=geschlossen? Diese Fragen und noch viele andere beschäftig=ten das junge Mädchen, ohne daß sie darauf eine Antwort fin=den konnte. Sie wurde ihr gegeben, als sie in eine Versamm=lung geriet, in der Paul Singer sprach. Er machte den anwe=senden Frauen ihre Situation in der Gesellschaft klug undgesexhickt klar, zur Verzweiflung der überwachenden Polizei.Das war der Wendepunkt im Leben der jungen Frau.Von diesem Augenblick an gehörte Emma Döltz der sozialisti=schen Idee: sie stand mitten drin und kostete nicht nur dieGenugtuung der Erfolge, sie lernte auch alle Schwierigkei=ten kennen, die Polizei und Gesetzgebung diesem berechtigtenStreben entgegen stellten.Sie arbeitete mit den Frauen,die wir kxxx kennen und von denen wir hier gesprochen haben,und mit vielen anderen. Wo Emma Döltz liebte und Freund=schaft empfand, da ließ sie auch ihre Kinder, ihre jungen Ka=meraden teilnehemn.".... Die schönste Erinnerung aus unserer