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Kindheit: wenn wir unsere Schulaufgaben oder die häuslichenPflichten erledigt hatten, saßen wir bei der Mutter, die unslange und schöne Geschichten erzählte. Wir Größeren halfehihr dann bei der Arbeit, sie nähte Posamenten.... Erst heuteweiß ich ganz, was unsere Mutter an uns tat, daß wir trotzder Not und bitteren Armut eine so schöne Kindheit hatten."Wer denkt da nicht unwillkürlich an Pestalozzis Lienhard undGertrud bei dieser Schilderung ihrer Tochter?
Emma beschränkte sich aber nicht darauf, ihren Kindern dasselbsterschaffene Märchenland zu zeigen, sie führte sie auchmit behutsamer, pädagogischer Überlegung in ihre soziale Um=
welt ein.
Das war die Frau und Mutter Emma Döltz , die zugleich Kämpfe=rin war. Die stärksten Wurzeln ihrer Kraft lagen in ihrerMütterlichkeit. Sie umfaßte ihre Kinder und Kindeskinder,auch ihre Schwiegersöhne waren selbstverständlich darin ein-bezogen. So wie sie einst ihre drei Kinder unmerklich zuSozialisten erzogen hatte, so nahm sie auch diese neuen Glieder ihrer Familie in ih Leben auf, und machte sie zu begei=sterten Mitstreitern.
Mit 61 Jahren zog Emma Döltz zu ihren Kindern nach Mahls=dorf. Sie wollte ihre geliebte Arbeit in Kreuzberg noch nichtganz verlassen, war auch noch 2.Vorsitzende in der Arbeiter=wohlfahrt, aber mit der Zeit mußte sie doch nachgeben.Siehatte wahrlich alles mitgemacht was es an Parteiarbeit gab:Flugblätter verteilen, Aktionen für Solidaritätsboykott mit=durchführen helfen, bei Lohnbewegungen aufklären und jedenotwendige Hilfsstellung leisten.
Mit der Ruhe in Mahlsdorf war es aus, als der 2. Weltkriegausbrach. Die zerstörung des Hauses, ein geschwächtes Herzund die Sorge ihrer Kinder trieb die Achtundsiebenzigjähri=ge ind die Fremde, ins kleine Walsertal.Es war zu fremd dortzwischen den hohen ingewohnten Bergen, die alte Emma fühltesich dort nicht wohl.Nach dem Kriege wurde sie wieder mitihren Lieben vereint, aber sie sah die Heimat nicht wieder.Ihre Kinder holten sie nach Fulda , ins Weserland, wo sieeine neue Heimat gefunden hatten. Emma konnte nicht mehr aktivan der Arbeit teilnehmen, aber die Dreiundachtzigjährigegab der Partei von Fulda zu ihrem achtziglährigen Bestehenihren Glückwunsch in Versen. Und von sich sagte sie den Genossinnen in einem ihrer letzten Verse:
" Einst hat mich die Sonne der Jugend durchglüht,Jetzt drückt mich des Alters Last,
Doch hab ich die Freude des Schaffens gefühlt,Und das Glück der Arbeit erfasst."