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empfand es els ein Glück, daß sie von Helene Lange els Lehre-rin bei ihren gymnasialen Kursen für Mädchen eingestellt wurde.Neben ihem Beruf beschäftigten die junge Doktorin die sozialenFragen, zu denen sie in Zürich den Zugang gefunden hatte. Damitging auch die Frage der Abstinenz zusammen, der Enthaltung vomAlkohol; mit anderen war sie fest überzeugt, daß der Erfolg derArbeiterbewegung davon abhänge, wie sehr sich die Arbeiter vonder Betäumbung durch Alkohol freimachen könnten. Bei der Ar-beit im Arbeiter- Abstinentenbund lernte Hildegard Ziegler denden Dr. Max Wegscheider kennen, Sohn eines bekannten Arztesaus dem Berliner Geheimratsviertel und selbst Arzt, mit dem siesich 1899 verheiratete.
Hilde Wegscheider hatte nicht beabsichtigt, ihre Lehrtätigkeitals Ehefrau aufzugeben, und ihr Mann war ebenfalls der Ansicht,daß die Heirat eine Frau nicht an der Berufsausübung hindernsollte. Helene Lange aber lehnte die Weiterbeschäftigung ab.Sie brauchte für ihr junges Unternehmen die Zustimmung und un-terstützung weiter bürgerlicher Kreise und auch die Protektionder Keiserin. So gesehen, war schon die Tätigkeit der Sozial-demokratin eine Belastung für ihre Schule gewesen, eine ange-hende Mutter als Lehrerin aber war unmöglich zu jener Zeit.Statt der Kurse bei Helene Lange gab Hilde Wegscheider jetztPrivatstunden für Mädchen zur Vorbereitung auf das Abitur,die Nachfrage war groß. Außerdem durfte sie mit Erlaubnis desPreußischen Kultusministeriums in Charlottenburg an einem derneugegründeten Reformgymnasien für Knaben hospitieren. Ihrepraktischen Erfahrungen in der Aufnahme des Stoffes und seinerVerarbeitung bei Knaben und bei Mädchen wertete sie in einemArtikel in der" Zeitschrift für Kinderpsychologie" aus. Beim" Verein für Frauenwohl" und seiner Leiterin Minna Cauer hattemon mit Sympathie zur Kenntnis genommen, daß die Arbeiterbewe-gung die Gleichberechtigung der Frau auf dem sllgemeinen Arbeits-markt anerkannte und zur Geltung bringen wollte. Debei solltedie Lehrerin keine Ausnahme machen. Warum sollte die verhei-ratete Frau und Mutter ausgeschlossen sein von einer Erziehungs-arbeit, von der sie vielleicht stärker geeignet war als andere?Hildegard war inzwischen selbst Mutter geworden und erlebte dies.Problem also aus eigener Erfahrung. Mit Hilfe des" Vereins fürFrauenwohl" gründete sie die erste Mädchenschule mit gymnasialemCharakter für Mädchen. Wir sehen, nicht nur ihr Bildungsgangwar außergewöhnlich gewesen, sie blieb such weiterhin beim Au-Bergewöhnlichen. Da die neugegründete Schule keine staatlich
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