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te sie, so gut er konnte. Durch seine eigene Arbeit war er javertraut mit der Ideologie und den Absichten der Arbeiterbewe=gung, die nur dann ihren Zweck erfüllt sah, wenn sie sich fürdie am meisten auge beuteten und geknechteten Schichten ein-setzte. Das galt natürlich auch für die Haus angestellten, derenman sich gewerkschaftlich, aber auch fürsorgerisch annehmenmußte. Hausangestellte standen unter dem Ausnahmegesatzrecht.aus Unkenntnis/ der Gesindeordnung, waren meist wehrlos und kannten den Wertihrer eignen Arbeit noch nicht. Sie wurden dadurch ein hemmen=des Element im Kampf der Arbeiter um bessere Lebensgestaltung.Ohne Frauen wie Lore war es der Gewerkschaft fast unmöglich,bei den weiblichen Haus angestellten etwas zu erreichen.Lore hatte sich früh der sozialdemokratischen Arbeiterbewegungangeschlossen und" glaubte" an ihre Überzeugung. Ihr Glaube andas, was sie für gut und richtig hielt, verleitete sie leichtdazu, das Denken und die daraus erworbene Erkenntnis Andererfür den Ausfluß einer weniger guten Gesinnung zu halten.Ihr leidenschaftliches Herz und das Mitleiden mit den Kinderndes Proletariats veranlasste sie zur besonders intensiven Mit=arbeit in den Kinderschutzkommissionen des Niederrheins. Mitder gleichen Intensität arbeitete sie in der Frauenbewegung,der man es auch am Niederrhein bis 1908 besonders schwer machtefür die sozialistische Idee zu werben. Es agb manche Fehde mitder Polizei und den Gerichten zu bestehen.
In dem inneren ichtungsstreit der Sozialdemokratie stand Loreimmer auf dem linken Flügel. Clara Zetkin , Rosa Luxemburg wa=ren ihre weiblichen Vorbilder, zu ihren geistigen Fähigkeitenblickte sie gläubig auf, ihre Thesen machte sie sich zu eigen.Mit diesem Elan erfüllte sie die scheinbar kleinen und die gro=Ben Pflichten für den Sozialismus.
Als 1914 der Krieg kam konnte Lore, die Friedenxliebende esnicht fassen, daß es den Sozialisten der Internationale nichtgelingen sollte, das Ungeheuerliche zu verhindern. Sie redetein einer Friedenskundgebung in Düsseldorf . Sie sagte unge=schminkt, was sie dachte, und sprach vielen aus dem Herzen. DerOberbürgermeister der Stadt Düsseldorf kals Belastungszeuge xxxstellte sie als gefährliche Agitatorin hin, und sie mußte ih=ren Mut und ihre Menschen- und Friedensliebe mit einigen WochenGefängnis bezahlen. Noch einmal während dieses Krieges kam Loreins Gefängnis: 1917 hatte sie sich der Unabhängigen Sozialde=mokratie angeschlossen und ihre enge Verbindung zu Luise Zietz und Clara Zetkin hatte sie nach Zürich zu einer internationa=len Frauensitzumg geführt. Hatte sie sich vergeblich um einenPaß bemüht oder war sie absichtlich ohne dieses Papier hinü=bergegangen? Bei ihrer Rückkehr wurde sie verhaftet, angeklagt
und verurteilt.
Trotz ihrer Verehrung für Rosa Luxemburg ging Lore nicht mitzur kommunistischen Partei bei deren Gründung.Bis 1933 war sieMitglied des Reichsteges.
Lore Agnes ist immer schlicht und einfach geblieben, bei allenEhrungen und Freuden, und den Kummer hat sie still getragen.Ihr Lebensgefährte starb in einer Zeit, in der sie es notwen=dig gehabt hätte, sich an ihn lehnen zu können, ihre geliebtenjüngsten Sohn mußte sie in Hitlers Krieg hergeben.Als 1945 die Partei wider aufstand, war es selbstverständlich,dass Lore wieder dabei war. Sie hatte eine starke Vorstellung