Bohm- Schuch 4
ser Arbeit. Sie wurde auch in den Jugendausschuss gewählt und warmassgebend im" Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse"tätig.Am liebsten arbeitete sie dort, wo sie sich für das Glück unddas Wohlergehen fon Kindern und Jugendlichen einsetzen konnte.Mitihrer Hilfe und in enger Zusammenarbeit mit dem StadtverordnetenEmil WWutzkyentstand aus kleinsten Beträgen das erste Berliner Heimfür die arbeitende Jugend. -- Die Arbeiterschaft und ihre denkendenFrauen wurden in diesem Jaht besonders von den Ereignissen in Crim mitschau / Sachsen aufgewühlt.So auch Clara.Ach, sie kannte ja so gutGerhard Hauptmanns Weberdrama.Gehörte das Elend seiner Zeit nun auchschon einer vergangenen Epoche an, so stand es doch jetzt, in anderenFormen zwar durch die maschinelle Entwicklung der Jahrzehnte) anak er-und/neut/ grauenvoll lebendig da. Wie gönnte es Clara diesen armen, strei-kenden Weberinnen, dass sie doch einmal in diesen langen, nervenspan-nenden Wochen, mit ihrem Kind auf dem Schoss in der Sonne sitzen kon-
ten.
Clara war eine gern gehörte Rednerin, ja, sie wurde ich spreche esnur zögernd aus, weil wir in der Sozialdemokratie mit diesem Attributvon jeher sehr sparsam gewesen sind- geliebt, nicht nur in Berlin , son-dern überall dort, wohin sie ihr Weg im freiwilligen Dienst an der Ar-beiterbewegung führte.Was war es? Die beseelte Art ihres Sprechens?Die ungewollte Kunst, sich in die Herzen und Hirne ihrer Zuhörer ein-zufühlen, für ihre Sorgen und Kümmernisse, für ihr Hoffen und Wollenden Ausdruck zu finden, von dem sie meinten, dass er ihnen selbst ausdem Herzen käme? Clara war sehr intuitiv. Sie erfasste leicht die Ge-danken und Gefühle anderer. Dabei war sie unbestechlich% 3B in den Schluss-folgerungen ihres verstandesmässigen Denkens war sie allen Kompromissenabhold.-- Ich denke an eine Versammlung zurück, die mir einen tiefenEindruck hinterliess. Es war 1911, im Herbst oder Winter. Die beson-dere Hitze des vergangenen Sommers hatte die- allgemein in Deutschland noch sehr hohe Säuglingssterblichkeit- auf eine erschreckende Höhe hin-auf getrieben, die sich besonders auf die Arbeiterquartiere konzentriert