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Luise Kautsky , die wie sie erzählte- nie eine großeEsserin war und leckere kleine Happen bevorzugte, konntetrotz ihrer Energie nicht einmal die winzigen Lagerportionenmeistern."
Ein wenig Milch, die der Lagerarzt genehmigte, etwas selbst-bereitetes Essen von einer der Ärztinnen, die Pakete vonfraussen bekam, Medikamente und Injektionen, die beschafftwerden konnten, halfen tatsächlich so weit, daß man Luise Kautsky an einigen sonnigen Oktobertagen noch auf einem Stuhldraussen in die Sonne setzen konnte. Ergriffen liest man,welche erstaunliche geistige Elastizität noch in dem schwachenKörper vorhanden war.
" Manchmal erwischten wir Zeitungen. Dann saßen wir anihrem Bett- sie duzte uns, und wir hatten sie als Mut teradoptiert. Die Kriegslage wurde durchgehechelt und jedeZeile auf ihren wahren Inka Gehalt geprüft. Mit Scharf-sinn und politisch geschultem Verstand erörterte Luise Kautsky alle einschlägigen Probleme..... Sie war- darinlag ihre Anziehungskraft- in ihrer ganzen Haltung einBeweis dafür, daß die Persönlichkeit auch im Konzentrations.lager noch durchdrang und selbst unter diesen schaurigenVerhältnissen ihre volle Wirkung ausübte."
Das Los des Sohnes, den sie aber nicht sehen konnte("..derStacheldraht trennt strenger als die größte Entfernung")+
hat sie sehr bekümmert, wie auch umgekehrt das Schicksal derMutter eine seelische Belastung für den Sohn gewesen ist, wassie auch wußte. Er hatte es sie früher wissen lassen, daß erMutter, Frau und Kinder mit seinen Gedanken viel lieber inAmerika suchen würde. Luises Betreuerin hatte Gelegenheitgesucht und gefunden, ihm Botschaft und Zettelchen von derMutter zu bringen.
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