Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Benedikt Kautsky sagt in seiner kurzen, aber meisterhaftenbiographischen Skizze über Rosa Luxemburg :

... in ihren Artikeln sind gleichzeitig die Vorzügeund die Begrenztheit ihrer Fähigkeiten zu erkennenKeiner ihrer Gegner konnte ihr Scharfsinn und Wissenabsprechen, dazu führte sie eine geschickte, wenn auchmeist zu scharfe Feder. Die Rücksichtslosigkeit, mit derrussische Revolutionäre ihre politischen Streitfragenauszutragen pflegten, findet sich auch bei ihr, und manwird nicht behaupten können, daß dies eine Bereicherungder deutschen Parteipolitik gewesen wäre. Aber empfindlichernoch war der Mangel an Verständnis für manche Seiten dereuropäischen Arbeiterbewegung, von der sie eben doch nurTeile kannte. Das Wesen tief verwurzelter Demokratienblieb ihr stets fremd. Die Bedingungen etwa der englischenArbeiterbewegung schätzte sie daher falsch ein uundversperrte sich damit den Weg zur richtigen Beurteilungder Aufgaben und der Tätigkeit der Gewerkschaften über-haupt."

Rosa Luxemburg war- als politische und als öffentlichdauerndauftretende Frau- im kaiserlichen Deutschland natürlichgefährdet. Als Ausländerin wäre sie von vornherein vollkommenschutzlos gewesen. Darum hatte sie, um die Rechte und denSchutz einer deutschen Staatsbürgerin zu haben, schon in derSchweiz mit dem deutschen Sozialdemokraten Gustav Lübeck eineEhe geschlossen. Er lebte in der Schweiz als freier Schrift-steller. Die russische Revolution von 1905, an der die inzwischererstarkte, polnische Sozialdemokratie stare beteiligt war,hatte Rosa veranlaßt, tkrexidentit unter fremdem Namen nachWarschau zu gehen. Sie wurde dort verhaftet, ihre Identitätbald aufgedeckt. War der Name Lübeck ihr nun ein Schutz?Die Weisheit der polnisch- russischen Juristen sagte: Die Ehe

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