Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
Einzelbild herunterladen
 
  

-11-

Resultate selber erarbeiten konnten. Ihre Kunst, mit Menschenumzugehen, hätte sie dort unter Beweis gestellt.

So ging

es die ganzen Jahre, durch die verschiedenen politischenProbleme und Tätigkeiten hindurch, bis sich der Kampf derMeinungen durch die Ereignisse von 1914, die die Welt er-schütterten, auf eine ganz andere Ebene verschob undschließlich zur Zersplitterung der deutschen Arbeiter-bewegung führte. In dieser Zeit des blutigen Krieges undder schmerzhaftesten Auseinandersetzungen innerhalb

der Arbeiterbewegung lernte Rosa Luxemburg das Gefängnisin seiner verschiedensten Gestalt kennen. Es begann eigentlichschon 1913 vor dem Kriege( 1914-18). Ein Wort in einerVersammlung wurde ihr als" Aufforderung an Soldaten zumUngehorsam" ausgelegt. Deshalb wurde sie angeklagt und 1914in Frankfurt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, aber nichtsofort verhaftet, wie der Staatsanwalt es gefordert hatte.Sie antwortete dem Staatsanwalt:

" Zum Schluß noch ein Wort, das auf seinen Urheber zurück-fällt. Der Staatsanwalt hat wörtlich gesagt...: es wäreja unbegreiflich, wenn die Angeklagte nicht die Fluchtergreifen würde. Das heißt mit anderen Worten: wenn ich,der Staatsanwalt, ein Jahr Gefängnis abzubüßen hätte,dann würde ich die Flucht ergreifen. Herr Staatsanwalt,ich glaube Ihnen, Sie würden fliehen. Ein Sozialdemokratflieht nicht. Er steht zu seinen Taten und lacht ihrerStrafen. Und nun verurteilen Sie mich."

Sie sprach dann in der Folge dieser Verurteilung in vielenüberfüllten Versammlungen, wo sie, genau so wie vor dem Gericht,

- 12-