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draussen stand die Welt in Flammen. In Rosa's Innermloderte der leidenschaftliche Wille zu wirken, zu lehren,zum Handeln anzutreiben, um im Chaos dieser Götterdämmerung den Grund für eine neue, soziale Welt zu legen; und siewar auf diese Toteninsel geworfen. Sie lebte wie untereiner Glasglocke in verdünnter Luft, in drückender Zinsam-keit und in einem Schweigen, in dem sie wochenlang dieeigene Stimme nicht horte. Mit grauenhafter Dautlichkeitsah sie die zerfetzten Leiber in den Schützengräben, dasSchicksal von Millionen. Sie empfand das wachsende Elendder Massen, das Sterben der Kinder, das Verkümmern einerganzen Generation, die allgemeine Verrohung und dieZertrümmerung der Kultur" 6
Drei Jahre und vier Monate der Kriegszeit hat Rosa Luxemburg so hinter Kerkermauern verbracht, davon war nur das eineJahre 1915 durch eine Verurteilung begründet. Inzwischenhatte sich die längst vorhandene Trennung der Geister auchnach aussen vollzogen. Die unabhängige Sozialdemokratiekonstituierte sich am1917 in Halle. Der Spartakus-
Spaltung
bund lebte und wirkte weiter im Dunkeln.
Für
Liebknecht wurde am 1.Oktober 1918 frei, Rosa Luxemburg
erst nach drei Wochen. die Revolution( öffnete in die Tore desKerkers. Das tragische Ende dieses Frauenlebens naht mitRiesenschritten. Ob sie es wohl gefühlt hat? In einer meister-haften Schilderung der Persönlichkeit Rosa Luxemburgs kommtBenedikt Kautsky , der Sohn des Altmeisters, zu dem Schluß,daf sie nach ihrer ganzen Einstellung und nach jeder von ihraus dieser Zeit vorliegenden Äusserung wohl kaum an der Provo-zierung der Januarkämpfe 1919 beteiligt gewesen sein kann.Aber, so sagt er:
11..... sie hat jegliche innere Verbindung mit den anderensozialistischen Richtungen in Deutschland verloren, und
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