Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Toni Pfulf

( 1877-1933)

Ein zierliches Figürchen, wie Filigran erschien sie man-chem von uns, als sie, als Abgeordnete für den WahlkreisOberbayern und Schwaben in der Nationalversammlung zu Wei­ mar erschien. Es sei gleich gesagt, daß sie auch späterdem Reichstag angehörte, bis 1933, bis zu dem Zeitpunkt,wo Hitler und die, die seiner Gewaltherrschaft dienten,dem demokratischen Deutschland für längere Zeit ein Endemachten. Dieser zierliche Mensch Toni Pfülf trug einen,von scharfer Gedankenarbeit durchgezeichneten Kopf, mitklugem Gesicht, mit, manchmal ein klein wenig spöttischen,aber immer gütigen Augen. Wer sie erkannte, gewann sielieb. Ihrem Gedankenflug, ihrer reifen Beurteilung vonMenschen und Dingen, traute man unwillkürlich mehr alsdie vierzig Jahre zu, die sie damals zählte.

Das Leben hatte es ihr nicht leicht gemacht. Toni stamm-te von der väterlichen wie mütterlichen Seite her ausKreisen, in denen höhere Offiziere, Juristen und Vertre-ter der hohen, katholischen Geistlichkeit zu finden waren.Ihr Vater war Major gewesen, die Familie war einmal rechtwohlhabend; dann teilte sie das Schicksal einer großenSchicht, die zuende des vorigen Jahrhunderts von derVerarmung betroffen wurden. Das war kein menschlichesSchuldkonto, lag vielmehr im Zuge der Entwicklung, dasvielleicht bei einiger Weitsichtigkeit, mit etwas klugerVorsicht von manchen noch ein wenig hätte aufgehaltenwerden können. Tragisch war nur, dass die Lebensanschau-ungen in diesen so betroffenen Kreisen nicht mit dieser

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