Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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Entwicklung Schritt hielten. Man schloss die Augen vordem wirtschaftlichen Niedergang und zog in seinem Ver-halten nicht die Konsequenzen daraus. Die Opfer dieserRückständigkeit des Denkens waren die Kinder, vor allemdie Töchter, denen man nicht erlauben wollte, mit ihrerZeit zu gehen. Man erzog sie nach wie vor für die zukünf-tige Verheiratung, ohne aber die materielle Voraussetzungfür die, als notwendig angesehene" standesgemäße" Eheschaffen zu können.

Die Frauenbewegung kämpfte in dieser Zeit um das Rechtetwas bessereauf Bildung und Berufsausübung. Nun, eine gute Schulbil-dung gestand man in den achtziger- und neunziger Jahrenmittlerweile den Töchtern schon zu, weil auch das" stan-desgemäss" war. Um aber, wie hier, im speziellen Fallevon Toni Pfülf , eigenem Wunsch und innerer Einsicht ent-sprechend, Volksschullehrerin werden zu können, mußtesie es auf einen Bruch mit der Familie ankommen lassen.Die Eltern erklärten sich nicht mit solchen" obskuren"Wünschen einverstanden. Dabei hätten sie den Wunsch derTochter nach wirtschaftlicher Selbständigkeit, unter demZusammenschmelzen des Vermögens einsehen müssen. Siekonnten die Zukunft der Töchter in keiner Weise sicherstellen. Jedoch die Scheuklappen des Standesbewußtseinserlaubten ihnen diese Einsicht nicht. So machte sich Toni,inzwischen grossjährig geworden, schliesslich ganz vonder Familie frei, um mit geborgtem Geld die Lehrerinnen-bildungsanstalt in München besuchen zu können. DieserBruch mit der Familie ist ihr nicht etwa leicht geworden,es waren doch viele, gute, menschliche Bindungen da undToni sowohl wie ihre Eltern haben viel später- auch

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