Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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die familiären Fäden wieder geknüpft. Vorläufig aber hießes, auf Jahre hinaus, die Zähne fest zusammenzubeißen,durchzuhalten. Ihre ersten Stellungen als junge Dorfschul-lehrerin absolvierte sie im schönen Oberammergau im bay-rischen Hochgebirge und in Lechhausen( von 1902-1907)dann ging sie nach München , wo sie bis 1915 ebenfallsunterrichtete. Aber diese Jahre gingen nicht ohne Störun-gen vorüb er. In einem der beiden Dörfer wurde ihr dienichtdesinfizierte Wohnung einer an Tuberkulose verstor-benen Kollegin angewiesen. Die vorhergegenden Entbehrun-gen hatten sie nicht widerstandsfähig gegen den Krank-heitsherd gemacht, in den man sie mitten hineingesetzthatte. Die Folge war ein längerer Aufenthalt im Sanato-rium. Bis das der ungeduldigen Toni zuviel wurde. Kurz-entschlossen setzte sie sich hoch oben im Gebirge ineine Sennhütte, die ihr billig überlassen wurde und leb-te dort in der Einsamkeit sehr vernünftig, bis sie wie-der arbeitsfähig war. Ein Riese an Gesundheit ist sienie mehr geworden, aber sie hatte in ihrer Eigenwillig-keit schon das Richtige getan. Auch später mußte sie zeit-weilig noch ihre Tätigkeit krankheitshalber unterbrechen.Aber niemals hat das Kranksein sie daran gehindert ihrenGeist intensiv und planmäßig weiter zu schulen, sich fürPolitik und öffentliches Leben zu interessieren wobeisie sich von Beginn an, zur Sozialdemokratie bekannte.Der Krieg( 1914- 18) gab ihr die Möglichkeit in München als Armen- und Waisenrätin zu arbeiten. So fand die Re-volution Nov. 1918 sie auch als Mitglied des Landesar-beiterrates, als Vorsitzende des Ortslehrerrates und desBundes sozialistischer Frauen.

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