Bewußtsein, daß da noch eine Lücke in ihren neuen Erkenntnissen war.Es drängte sie zu einer Betätigung, sie wußte aber nicht wo und wieanzufangen," weil eben Politik Männersacher war". Ihrem starken Lese-bedürfnis stand jetzt auch die Bibliothek des Arbeitervereins offen,so kam sie an die Schriften von Friedrich Engels , Ferdinand Lassalle ,Wilhelm Liebknecht u. a. In den sozialdemokratischen Versammlungen,zu denen sie auf ihre Bitte vom Bruder mitgenommen wurde, war sie oftdie einzige Frau, manchmal waren außer ihr noch zwei andere anwesend.Auch dort wandte man sich nur an die Männer.
" Ich empfand es schmerzlich, daß man über die Arbeiterinnen nichtsprach, daß man sich nicht an sie wandte, um sie zum Kampfe auf-zurufen."
An einem Sonntagvormittag ging Adelheid allein in eine Branchenver-sammlung. Sie fand etwa 300 Männer und neun Frauen vor, trotzdem indieser Branche sehr viele Frauen arbeiteten. Zum ersten Mal hörte dieZwanzigjährige einen Redner über" Frauenarbeit" sprechen. Er zitierteauch Bebel : Die Frau und der Sozialismus. Auch davon hatte sie nochnie gehört. Als der Redner schloß, folgte die Aufforderung zur Dis-
kussion.
" Ich hatte das Gefühl, daß ich reden müßte. Ich bildete mir ein,alle Augen sei- en auf mich gerichtet, man warte, was ich zur Ver-teidigung meines Geschlechtes zu sagen habe.......
Als ich die Srufen hinaufging, flimmerte es mir vor den Augen, ichspürte es würgend im Halse. Aber ich überwand diesen Zustand undhielt meine erste Rede. Ich sprach von den Leiden, von der Ausbeu-tung und der geistigen Vernachlässigung der Arbeiterinnen, derGrundlage aller rückständigen Eigenschaften..........."/
Zugleich fing Adelheid an zu schreiben, wobei sie mit ungeheuerer An_strengung ihre geringe Schulbildung, besonders ihren Mangel der Recht-schreibung zu überwinden hatte. Es sei daran erinnert, daß sie nur
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