1878- 1949
Sie war ein Proletarierkind. Aber- anders als manche unserer Vorkämpfe-rinnen konnte sie schon einen geregelten, achtjährigen Volksschulbe-such aufweisen. Von ihrem Elternhaus wissen wir nicht viel. Nur, daßsie aus einer kinderreichen Arbeiterfamilie kam und mit dem Ende desSchulbesuches selber für ihren Lebensunterhalt zu sorgen hatte, wie soviele junge Kinder des Proletariats. Johanna wurde in einen Haushalt ge-geben, wurde Dienstmädchen und war es zweiundhalb Jahre lang. Dann wur-de sie Hilfsarbeiterin in einer Buchdruckerei.
1900 schloss Jahonna Leopold die Ehe mit dem Sozialdemokraten JeanReitze. Das war in Ordnung so. Das junge Mädchen war nicht von der Art,sich in der Misere des damaligen Fabriklebens zu verlieren. Aufstrebendund aufgeweckt dachte sie bald über ihre eigene und ihrer Mitarbeiterin-nen Lage nach. Der Ruf des Sozialismus hatte sie bereits erreicht. Undso war es folgerichtig, daß die Ehe dieser beiden Menschen den hohen Wereiner guten geistiges Kameradschaft bewies, einer Kameradschaft, die
geistig
es nicht zuläßt, daß der eine Teil verkümmert, während der andere seinenWeg nach oben geht. Man las und debattierta e gemeinsam, einer machtees dem anderen möglich, sich am Aufstieg in das Reich des Geistes zu be-teiligen. So- als Erhöhung des Lebenswertes, als innere Bereicherungwurde damals das intensive Eindringen in den Sozialismus empfunden. Eswar ein Nachholen aus eigenem Wollen, aus eigener Kraft, was die Gesell-schaft den Kindern des Proletariats schuldig geblieben war.
Johanna hatte in Hamburg schon sozialistische Kurse besucht. Nun gingsie- zusammen mit ihrem Mann- nach Berlin , um dort an der" Partei-schule" mitzulernen, das dauerte sechs Monate lang. Bald darauf lasenwir in der" Gleichheit", wie eine junge Frau in Vegesack ( unweit Bremen )eine sosialistische Frauenorganisation aufgezogen hat, geschickt, eifrigumsichtig. Das Lernen hatte ihr Nut gemacht, ihr Selbstgefühl gesteigert
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