Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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4.

teressierten sie alle Probleme, die mit dem neuen Frauenrecht in Ver-bindung standen und der gesetzlichen Regelung bedurften. Sie sprachzum Hausgehilfengesetz, forderte die Fortbildungsschulpflicht und diegesetzliche Regelung des Arbeitsverhältnisses. Der damals zu erwartendeFriedensvertrag interessierte sie besonders lebhaft. Sozialpolitik undWohlfahrtsfragen, Wohungs- und Siedlungsfragen waren später im Reichs-tag ihre bevorzugten Arbeitsgebiete.

In Weimar erschloss sich ihres Wesens Art auch noch in anderer Weise.Wir erlebten ja damals alle sehr stark die endliche Befreiung aus demhalbabsoluten Regime des Kaiserreichs, die wir Frauen doch besondersschmerzlich gefühlt hatten. Dazu kam, daß der Druck des Krieges vonuns genommen war, wir waren wohl alle offener, empfänglicher, hungrigerfür das Schöne und Edle, für die Kulturwerte des Lebens. Hanna Reitzewar über all mit uns, wenn es galt Gemeinsames, Schönes zu erleben.Wir wanderten durch den Park, zu Goethes Gartenhaus , nac Tiefurt ,nach Belvedere. Die Zeit Goethes und Schillers wurde uns lebendig. Wirstanden vor dem Haus Charlotte von Steins, vor dem Grab Christianes,gingen durch das Haus am Frauenplan. So war durch das, gleichzeitigeDichter als soust,Erleben eine Atmosphäre geschaffen, die Aussprachen ermöglichte, Freund-schaft entstehen ließ, die Dauer hatte, deren menschlicher Untergrundnicht zerstört werden konnte. Es soll aber auch hier nicht verschwiegenwerden, wie leidenschaftlich Hanna an den Streitfragen teilnahm, in dieFrauen der Partei während des Krieges und nachher mit hineingerissenwaren. Die Wogen um die Frage der Bewilligung der Kriegskredite gingen( andhoch. Heute wissen wir, daß es nicht soviel war, was uns voneinandertrennte, niemand sah den Krieg als erwünschtes Mittel der Politik an.Nur mit der gegebenen Tatsache des Krieges fanden wir uns verschiedenab, die einen folgten der Minderheit, die anderen der Mehrheit. Aberich erinnere& mich einer Versammlung im Hamburger Gewerkschaftshaus,in der die Frauen sehr temperamentvoll und entschieden ihren Streit aus-gefochten haben. Hanna gehörte in dieser Frage zu denen, die die Haltungder Mehrheit bejaht haben.- 4-