Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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die den Kampf der vorhergehenden Generation bewußt und tapferweitergeführt hatten. Das wußten die Berliner und die Genossendes Bezirks Brandenburg sehr gut. Kein Wunder, daß Elfriede1919 mit zu den sozialdemokratischen Frauen gehörte, die indie Nationalversammlung gewählt worden waren. Und im gleichenJahr noch, auf dem Parteitag zu Weimar , wurde sie auch alsBeisitzerin in den Zentralvorstand der deutschen Sozial-demokratie gewählt. Ja, die Weimarer Zeit war schon etwasBesonderes für uns Frauen. Wir fühlten die Verantwortung,die uns plötzlich übertragen worden war. Sie machte unsernst und veranlaßte uns zur Selbstkritik. Aber wer willes leugnen, wir waren auch zusammen froh im Bewußtseinunseres neuen Menschentums, das uns aus dem Gefühl derGleichberechtigung erwuchs. Und Elfriede war mit eine derlebhaftesten unter uns; auch in ihrem Wesen drückte sichdieses neue amenschliche Wertbewußtsein aus, machte siefröhlich und beschwingt, war sie doch von Natur aus einheiterer Mensch, der dankbar des Lebens Schönheiten genießenkonnte. Aber das Wochenende verbrachte sie regelmäßig inihrem großen Wahlkreis. Sie mußte doch ihren Wählern überdie Arbeit, über die Zweifelsfragen, die sie bedrängten,sprechen. Sie verteidigte die Politik der Partei. Sie sprachauch zu den Frauen des Wahlkreises über Hoffnungen, Befürcht un-gen und noch ausstehende Forderungen, die das weibliche Lebenso stark berührten. Nach der Nationalversammlung gehörte siedem Reichstag bis 1924 an, 1925 wurde sie in den Preussischen Landtag gewählt, dem sie dann bis 1933 angehört hat.

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