7.
keit ihrer ganzen Erscheinung sie innerhalb der Partei immer ein wenig/ tenfremd erscheinen liess. Nicht als fremdkörper, dazu war ihr Wollen zu gutund echt. Aber ihr grosses Wissen und ihre Sprachkenntnisse kamen sichernoch nicht in dem Umfang zur Verwendung, wie es wünschenswert gewesen wäre.Ihre persönliche Stärke und das Versöhnende an ihr war ihre grosse Sach-lichkeit, die es ihr niemals erlaubte, irgend eine Empfindlichkeit zu zei-gen. Jedoch stellte sie sich 1932 nicht mehr zur Wahl, es hiess, dass ihreGesundheit sie daran hinderte.
Im März 1933 musste Anna Siemsen Deutschland verlassen. Sie wählte die Schweiz .und lehrende/predestinierte Frau, deren ganzesund sie/
Diese, ganz für wissenschaftliches/ Arbeit
sich/
sich/
Leben darauf aufgebaut war, Erkenntnisse zu erarbeiten/ anderen Menschenschriftlich oder mündlich mitzuteilen, sollte/ nun dem in der Schweiz für Aus-länder geltenden Arbeitsverbot fügen? Sie war dort keine Fremde, in der So-zialdemokratie war sie bekannt und anerkennt, auch zur Mitarbeit hochwill-kommen. Der Jugendsekretär Walter Vollenweider bot ihr an, der gesetzlichen/Form nach mit ihm eine Ehe zu schliessen und sich dadurch die ungestörteArbeitsmöglichkeit zu sichern. So geschah es. Nunkonnte sie als Rednerin,Lehrerin und Schriftstellerin wirken, konnte die Redaktion der sozialistischen Frauenzeitschrift:" Die Frau in Leben und Arbeit" übernehmen, konnte in derBildungszentrale mitwirken und vieles andere tun.
Aus der Schweiz wurde mir)- Im Zusammenhang mit der politischen Ehe AnnaSiemsens geschrieben:" Einige intellektuelle Frauen hatten es sich zurAufgabe gemacht, gegen das erheiratete Schweizer Bürgerrecht zu agitieren.Zur Ehre des" Verbandes Schweizerischer Frauenvereine" sei gesagt, dass er da-mit nichts zu tun hatte. In jener Zeit hatten sich manche Ausländerinnen dasSchweizer Bürgerrecht durch eine Heibat erworben, wobei auch der Kaufpreiseine Rolle spielte. Die politische Ehe von Anna Siemsen war damit garnichtin einem Atemzuge zu nennen. Wir alle waren dem Genossen dankbar, dass erauf diese Weise Anna Siemsen das Arbeiten möglich gemacht hat, das doch un-serer Bewegung zugut gekommen ist."