Wenn Männer wegen ihrer Lebensleistung anerkannt, manchmal auch gefeieertwerden, pflegen sie oft zu antwortten, dass ihre Arbeit nur mit dem Bei-stand und der Kameradschaft ihrer Lebensgefährtin getan werden konnte.So schrieb es Karl Marx an Wilhelm Liebknecht , so hörten wir es an sei-nem siebzigsten Geburtstag von August Bebel , als er von seiner Juliesprach. So wissen wir es von XXXXXXXXXXXXXX dem Interpret der Lehre vonKarl Marx , dem sozialistischen Wissenschaftler und Schriftsteller Karl Kautsky , der uns jungen von damals erst Karl Marx und den SozialismusSO nahe brachte, dass wir ihn verstehen konnten. Alle, die wir uns zu-ende des neunzehnten und in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhundertsabmühten, um in die sozialistische Ideenwelt einzudringen, standenauf den Schultern von Karl Kautsky . Auch die, die ihn nicht oder nichtin allem anerkennen wollten, hatte sich zuerst einmal mit dem vertrautzu machen, was er uns berichtete.
Wir wollen feststellen, dass die Frau des so intensiv arbeitenden, so oftangegriffenen eozialistischen und politischen Schriftstellers, dernoch dazu nicht von robuster Gesundheit war, schon sehr viel geleistethätte, wenn sie nur um diesen Mann herum eine ruhige und ungestörte, har-monische Atmosphäre geschaffen hätte, in der allein er so hätte arbeitendiekönnen, wie es geschah. Das allein hätte Frau von Karl Kautsky umdie Arbeiterbewegung verdient gemacht. Aber sie beschräkte sich durchaus nicht darauf ihrem Mann eine gute, besorgte Hausfrau und die gutegeliebte und liebende Mutter ihrer beider Söhne zu sein. Sie war fürihm
Karl Kautsky die kameradschaftliche Mitarbeiterin. Mit ihr konnte erseine Ideen und Pläne besprechen. Friedrich Adler sagte von ihr:
" Auf theoretischem und literarischem Gebiet fühlte Luise sichstets als Sekundantin Karl Kautsky's - und sie war wirklicheine brillante Sekundantin.Er schätzte ihr Urteil überaus hoch,sie war stets die erste, an der er die Ueberzeugungskraft seinerArtikel, Broschüren und Bücher erprobte."
Um das ganz zu verstehen, müssen wir wissen, dass es sich jahrzehntelang-bis zu Hitler - keine deutsche Universitätsbibliothek hätte leistenalsdkönnen, ein Werk von Karl Kautsky etwa nicht anzuschaffen. Es waren, wieman hier sicht keine ganz geringen geistigen Anforderungen, die auch