Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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Kautsky

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sie zu schaffen. Sie kam in die Krankenstation, es wurden; ein Bett, Decken,ein kleines Kopfkissen und etwas Wäsche" organisiert".Sie bekam Diät.Aber( so Nilss es

auch diese Krankenkost, sei unterwertig und viel zu kalorienarm gewesen, da-zu in der Zubereitung lieblos und fade, geschmacklos. Es heisst:

" Man muss sich vergegenwärtigen, was es für einen kranken und alten Men-schen bedeutet, jeden Tag dieselbe geschmacklose Suppe und ein paarScheiben Brot zu essen: kein Gewürz, kein Gemüse, kein Obst, kein Ge-danke an Fleisch und kein Hauch von Süssigkeit, nichts, was den Gaumenreizte.Luise Kautsky , die wie sie erzählte, nie eine grosse Esserin XXXwar, und leckere kleine Happen bevorzugt hatte, konnte trotz ihrer Energienicht einmal die winzigen Lagerportionen meistern."

Ein wenig Milch, die der Lagerarzt genehmigte, etwas selbstbereites Essen voneiner der Aerztinnen, die Pakete von draussen bekam, Medikamente und Injek-tionen, die beschafft werden konnten, halfen tatsächlich so weit, dass manLuise Kautsky an einigen sonnigen Oktobertagen noch auf einem Stuhl drau-ssen in die Sonne setzen konnte. Ergriffen liest man, welche erstaunlichegeistige Elastizität noch in dem schachen Körper vorhanden war.

" Manchmal erwischten wir Zeitungen. Dann sassen wir an ihrem Bett- sieduzte uns und wir hatten sie als Mutter adoptiert- XX die Kriegslage.wurde durchgehechelt und jede Zeile auf ihren wahren Gehalt geprüft.Mit Scharfsinn und politisch geschultem Verstand erörterte Luise Kautsky alle einschlägigen Probleme.......... Sie war- darin lag ihreAnziehungskraft- in ihrer ganzen Haltung ein Beweis dafür, dass diePersönlichkeit auch im Konzentrationslager noch durchdrang und selbstunter diesen schaurigen Verhältnissen ihre volle Wirkung ausübte."Das Los des Sohnes, den sie aber nicht sehen konnte(".... der Stacheldrahttrennt strenger als die grösste Entfernung")* hat sie sehr bekümmert, wieauch umgekehrt das XXXXXXXXX Schicksal der Mutter eine seelische Be-lastung für den Sohn gewesen ist, was sie auch wusste. Er hatte es sie frü-her wissen lassen, dass er I Mutter, Frau und Kinder mit seinen GedankenLuises Betreuerin hatte.viel lieber in Amerika suchen würde.hatte Gelegenheitgesucht und gefunden ihm Botschaft und Zettelchen von der Mutter zu brin-

gen

".... ich bekam von ihrer Hand XXXXX ein paar armselige Zettelchen,mühselig im Bett, im Halbdunkel geschrieben- und doch, welche Tapfer-keit sprach aus ihnen.Sie zeigten mit, dass sie ihre wunderbare Fä-higkeit, sich Freunde zu erwerben, auch in dieser Zeit bewahrt hatte.Die MutteLuise sorgte sich, dass sie seinem fünfzigsten Geburtstag nicht verschönernkonnte und er, der Sohn konnte ihr ein paar kleine Dinge schicken, die er von

* Benedikt Kautky in einem späteren Brief, an seinen Bruder.

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