Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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4.

Diesen Wissensdrang teilte ihr--- inzwischen zum Junglig herangereifterSohn Karl---- nachmals der bekannte sozialistische Theoretiker, der eineausserordentlich schnelle geistige Entwicklung genommem hatte. Ihmschloss sie sich besonders innig an, mit ihm interessierte sie sich fürFragen der Politik und des öffentlichen Lebens.

Als der Kommuneaufstand in Paris aus-brach, konnte niemand begeisterter mit den todesmutigen Kommune kämpfernfühlen und leiden, als der gunge Karl Kautsky (??? wann???) und seine,mit ihren Kindern jung gebliebene Mutter. Damals wurde zuerst ihrInteresse für sozialistische Ideen geweckt, und beide ruhten nun nichteher, als bis sie sich die Hauptwerke der sozialistischen Literatur, dieSchriften von Lassalle, Marx, Engels usw beschafft MaxXXX und gemeinsamgelesen hatten. Auch sozialistische Broschüren, eine kleine sozialdemo-kratische Zeitung, die" Gleichheit", die in Wien erschien, fanden ihrenWeg in das Kautskysche Haus und trugen dazu bei dass" Mutter und Sohn"die brennenden Fragen der Zeit unter ganz neuen Gesichtspunkten betrach-ten lernten. Bald waren Minna und Karl Kautsky enthusiastische Anhängerder spzialistischen Lehre. Karl Bezog die Universität und seine Mutternahm nun auch an seinen Studien teil, soweit sie ihrer Eigenart zusagten.In jener Zeit beschäftigte der Darwinismus die Geister, der gebildetenWelt und auch im Hause Kautsky wandte man ihm bald starkes Interesse zu/Durch ihre Studien war Minna Kautsky wohl vorbereitet für das Verständ-nis der Darwinistischen Lehre. Dieses Fortschreiten wissenschaftlicherErkenntnis gewährte ihr eine so hohe Befriedigung, einen so reinen Ge-nuss, dass sie zeitweise alle Beschwerden ihrer kranken Lunge darübervergass.. Mutterglück und Mutterstolz waren auf das innigste mit ihremhochgesteigerten, geistigen Leben verwebt, dass Minna Kautsky früh gereiften Sohn in idealer Gemeinsamkeit lebte.

" Er war mein Führer, mein Lehrer, mein Freund."---

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mit ihrem

so hat sie selber ihr Verhältnis zueinander- schön und treffend---charakterisiert.--- So intensiv hatte sie die Wonne des Lebenskaum in den Zeiten ihrer schauspielerischen Triumpfe empfunden, wie da-mals, als sie zum ersten- malé das Leben der Gesamtheit von einer höhe-ren Warte überschauen lernte. Dieses innerliche Gehobensein war zu-dem von günstigem Einfluss auf ihren Gesundheitszustand. Sie wolltegesund werden und allmählig trat auch wirklich eine anhaltende Bes-serung ihres Befindens ein. Ein längerer Aufenthalt in den Alpen voll-endete den Heilungsprozess in der z.T.zerstörten Lunge, sodass die Ge-nesene bald von sich sagen konnte:" Ich fühle mich wieder vollkräftigund frisch und jung, alles in mir war in Bewegung gekommen."( und in XXXX)Der künstlerisch gestaltende Trieb war durch lange JahreFluss)zurückgedrängt worden; jetzt erwachte er wieder, aber er suchte sichein neues Feld der Betätigung: Minna Kautsky griff zur Feder!Zunächst lag ihr jeder schriftstellerische Ehrgeiz fern. Sie hatte nurdas Bedürfnis, alles, was sie in den letzten Jahren innerlich erlebt undwas ihr ganzes Denken revolutioniert hatte, sich von der Seele zu schrei-ben. Ihr getreuer Karl musste natürlich ihre erst en tastenden Versuchebegutachten. Sein Beifall ermunterte sie fortzufahren.--- Inzwischenhatte Karl Kautsky seine Universitätsstudien beendet und war bereitsseit 1875 eifriger Mitarbeiter verschiedener sozialdemokratischerZeitungen.

Er schickte die erste grössere Erzählung seiner Mutter" Ein Proletarierkind" an Liebknecht, der in jener Zeit die eben be-gründete" Neue Welt" redigierte. Liebknecht nahm die schlichte Er-zählung an in der sein geübtes Auge ein starkes, ursprüngliches Talenterkannte und forderte die Verfasserin zur ständigen Mitarbeit auf.Das war mehr, als sie je geträumt hatte. Sie war überglücklich und dererste freundliche Erfolg befeuerte sie zu weiterm Schaffen.1877 schrieb sie die Erzählung:" Eine gute Partie" für die" Neue Welt".1878 verfasste sie ein fünfaktiges Trauerspiel" Madame Roland "eine der interessantesten FrauengestaltenFrauengestalten der grossen französischen Revolution zur Heldin hat.--- Man muss es der Verfasserin zugestehen,dass ihr der Kühne Wurf gelungen ist. Das Drama ist reich an packendenSzenen aus der Revolution, vor allem der dritte Akt, den eine Konvents-

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