Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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tagung des Deutschen Frauenbundes einzuladen, welche für Oktober inBad Meinberg geplant war. Alle, die die Tagung besuchten, zeigten wei-terhin Interesse und werden vielleicht Mitglieder werden, wenn die Ver-bindung aufrecht erhalten bleibt. Ich hoffe, Oldenburg im neuen Jahrwieder besuchen zu können, um diese Angelegenheit zu verfolgen und zuversuchen, eine Jugendgruppe zu bilden.

Ein sehr interessanter Besuch in Oldenburg war der des Kindergärtne-rinnenseminars. Dies war der 1. Vortrag über Alkohol, den sie überhaupthörten, und er erweckte viel Interesse, obgleich, wie gewöhnlich, der Ge-danke der völligen Enthaltsamkeit ihnen sehr neu war.

Die einzigen beiden Frauengruppen, an die wir herankamen, waren dieFrauen der Methodistenkirche und die Lehrschwestern des evangelischenKrankenhauses. Bei beiden schien der Vortrag lohnend und fand vielInteresse, welches ich auch bei einem anderen Besuch zu ergänzen hoffe.Bad Meinberg : Im Oktober fand die jährliche Bundestagung desDeutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur in dem kleinen KurortBad Meinberg statt. Sie war gut besucht, und darüber hinaus war es ein-gerichtet, daß Schülerinnen der Oberklasse aus Herford , Detmold undBad Salzuflen an besonderen Vorträgen teilnehmen konnten. Vertreterin-nen von Frauengruppen dieser nahe gelegenen Städte waren ebenfallseingeladen, einige der Vorträge zu besuchen. Diese Verbindungen werdenauch in der Zukunft verfolgt werden.

Ein sehr interessanter Widerhall der Meinberger Tagung hat weit undbreit Aufsehen erregt. Einige Tage nach Schluß der Veranstaltung trugenZeitungen in der Umgegend große Schlagzeilen, daß ein abstinenter Arzt,der dieser Tagung beigewohnt und einen Vortrag dort gehalten habe, ver-haftet sei, da er betrunken ein Auto gesteuert und sehr gefahrbringendgefahren habe. Diesem Vorfall wurde in der Presse große Bedeutung bei-gemessen. Es ist überflüssig zu erwähnen, daß es keiner unserer Ärztewar, und wir glauben, es war alles vom Alkoholgewerbe arrangiert, umunseren Bund und die Tagung, welche so erfolgreich gewesen war, inMiẞkredit zu bringen. Natürlich wurde protestiert, aber die Entschuldi-gungen daraufhin wurden nicht in derselben Weise veröffentlicht, wie dieersten Berichte( d. h. mit so großen Überschriften auf der 1. Seite). Undso ist erheblicher Schaden angerichtet worden, da Berichte des Falles invielen anderen Zeitungen bis nach Nürnberg hin( fast 1000 Meilen ent-fernt) veröffentlicht wurden. Anna Klara Fischer verfolgt diese Ange-legenheit noch weiter.

Salzgitter : Von Bad Meinberg aus fuhr ich nach Salzgitter , um aneiner Jugendschutzwoche teilzunehmen. Dies ist ein sehr interessanterOrt und als Jugendstadt Europas bekannt. Von den 100 000 Einwohnernsind 43 000( 43%) unter 21 Jahre alt, jeder 5. ist ein Schulkind, und des-halb gibt es dort viele Jugendprobleme. Hier legte Hitler große Stahl-werke kurz vor dem Kriege an und zwang viele junge Volksdeutsche ausden anstoßenden Ländern( Rumänien , Jugoslawien , Tschechoslowakei etc.)

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