Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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hierher zur Arbeit zu kommen. Diese jungen Leute mit ihren heranwach-senden Familien waren sehr verbittert, daß sie Heimat und Haus ver-lassen mußten, und ich glaube, diese Verbitterung und Enttäuschung, zu-dem die Nachkriegsbedingungen und Schwierigkeiten, leisten der Trink-sitte Vorschub. Die Stadt Salzgitter hatte diese Jugendwoche eingerichtet,und da eine unserer Bundesschwestern sich im Stadtrat sehr dafür ein-setzte, brachte sie es fertig, daß Belehrung über Alkohol in den Schulenin das Programm eingeschlossen wurde. Ich konnte daher in Volksschu-len, Haushaltungsschulen und einer Berufsschule Vorträge halten undauch an Elterntreffen teilnehmen. Wir hoffen, daß dies noch mehr Früchtetragen wird, wenn später Wiederholungsbesuche gemacht werden.

Berlin : Von Salzgitter wendete ich mich nach Berlin , wo ein Pro-gramm für einen vollen Monat vorgesehen war. Ich hielt Vorträge inOberschulen und verschiedenen Berufsschulen, wo 500 junge Leute, meistLehrlinge zwischen 16-18 Jahren, in der Aula gleichzeitig versammeltwaren. Es wurde großes Interesse gezeigt, hauptsächlich unter den letz-teren Gruppen, und meist folgten dem Vortrage lebhafte Diskussionenund Fragen, trotz der großen Hörerschaft. Ich glaube, eine weitere Ver-folgung dieser Schularbeit würde sehr gute Erfolge zeitigen.

Ich machte verschiedene Besuche in der Schule des orthopädischenKrankenhauses, wo Frau Krohn unterrichtet. Hier konnten wir den An-fang machen, Mitglieder für eine neue Jugendgruppe zu gewinnen. Wirveranstalteten auch ein besonderes Treffen der Jugend, zu welchem Ver-treterinnen der verschiedenen besuchten Schulen eingeladen waren. Undich hoffe, diese Gruppe wird fortfahren, sich regelmäßig zu treffen. ImGanzen gewannen wir 16 jugendliche Mitglieder und 2 Erwachsene( 1Schwester und 1 Lehrerin).

Im Anschluß an die Schulen konnte ich noch an der PädagogischenAkademie, auf einer Zusammenkunft Berliner Fürsorgerinnen und aufeiner Arbeitsgemeinschaft von Jugendämtern sprechen. Diese letzte Ge-legenheit kam als direkte Aufforderung des Jugendringes selbst, da siemerkten, daß die Alkoholfrage unter den Jugendproblemen sehr notwen-dig erörtert werden muß. In diesen Gruppen wurde das Problem derGefährdung der Lehrlinge in den Brauereien erörtert, welche jeden Monateine Kiste Bier erhalten. Die Gefahr dieser Gewohnheit wurde voll er-kannt, und es wurde beschlossen, daß ein Vertreter einmal probeweisean eine Brauerei herantreten sollte und sehen, ob das Bier bei den Lehr-lingen durch etwas anderes ersetzt werden könnte( z. B. Kleidung oderMilch oder etwas anderes, welches den jungen Leuten nützlicher seinwürde). Ich merkte, daß diese beiden Gruppen( Jugendleitungs- und Für-sorgekräfte) Schlüssel- Gruppen waren, und daß es sehr schön war, dieseGelegenheit zur Erörterung des Alkoholproblems gehabt zu haben.

Ich konnte auch Konfirmandengruppen besuchen, eine Fachschule zurAusbildung medizinisch- technischer Assistentinnen( wo eine sehr feine,christlich eingestellte Frau als Gründerin und Leiterin ist), eine Gruppe

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