Jeder wichtigere Vortrag, den ihr Mann zu halten hatte, wurde zuerst ihr gehalten, dannnach ihren Ratschlägen geändert. Auf seinen ersten größeren Erhebungsreisen zur Erfor-schung der Phosphornekrose und der Quecksilbervergiftung begleitete sie ihren Mann, halfihm bei den photographischen Aufnahmen. Sie begleitete ihren Mann auch regelmäßig zuden wissenschaftlichen Kongressen. Sie sagte:„ Wir haben nicht so viel Geld, daß ichschöne Toiletten kaufen und mit meinem Mann reisen kann. Da verzichte ich gerne aufschöne Kleider und mache mit ihm Reisen zu Untersuchungen und Kongressen."
Aber nicht immer dienten die Reisen wissenschaftlichen Zwecken. Die zarte Frau wareine begeisterte Naturfreundin und Hochtouristin. Wenn nicht Reisen zu wissenschaftlichenZwecken unternommen werden mußten, dann ging es ins Hochgebirge. Ortler , Sonnblick,Wildspitze, Glockner wurden bestiegen.
Frau Teleky hatte auch ihr eigenes Tätigkeitsgebiet, ganz unabhängig von ihrem Mann.Während der Jahre, die sie in Düsseldorf lebte( 1921- 1934) war sie Vorsteherin derOrtsgruppe des Deutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur". Sie sorgte dafür, daßWanderlehrerinnen nach Düsseldorf kamen, daß diese Vorträge in Schulen und Vereinenhielten, in der ländlichen Umgebung Kurse über alkoholfreie Früchteverwertung abhieltenu. a. m. An den Tagungen des Zentralvereines nahm sie teil. 1934 von Düsseldorf nachWien zurückgekehrt trat sie wieder in den Verein abstinenter Frauen ein und rettete 1939nach dem Einmarsch Hitlers den Verein vor der Auflösung durch rasche Umwandlung desVorstandes und Beitritt zum deutschen Zentralverein. Nach der Einwanderung in USA ( 1939) trat sie der Women's Christian Temperance Union( WCTU ) bei und vermittelte denAustausch deutscher und amerikanischer Erfahrungen.
All diese Tätigkeit hinderte sie nicht an vollster Erfüllung ihrer Pflichten als Mutter undHausfrau. Als sie in Düsseldorf lebte, getrennt von den halberwachsenen Töchtern, gab siestets zwei unbemittelten Schülerinnen der Niederrheinischen Frauenakademie unentgelt-lich Wohnung und war einigen derselben mütterliche Beraterin. Zwei von ihnen waren ihrbis in die letzten Tage in Freundschaft und Dankbarkeit verbunden.
Persönlich war sie von äußerster Anspruchslosigkeit. In ruhiger Selbstsicherheit ver-schmähte sie äußere Aufmachung. Nie besaß sie auch nur das geringste Verschöne-rungsmittel". Sie legte Wert auf nette Kleidung, aber nie auf Eleganz. Nie erlaubte sieihrem Mann ihr ein Schmuckstück zu schenken. Sie besaß einen höchst einfachen Ver-lobungsring, den sie an die Hitlerverwaltung abgeben mußte, und den Ehering.
Der führende deutsche Gewerbehygieniker Prof. F. Koelsch- München schrieb anlässlich80. Geburtstages Dr. Teleky's im Zentralblatt für Arbeitsmedizin über Frau Teleky: ,, Siewar die langen Jahre hindurch die getreue Mitarbeiterin ihres Gatten, hat ihn auf denStudienreisen begleitet, an den Erhebungen über die Phosphor- und Quecksilbervergiftungaktiv mitgearbeitet, alle Manuskripte durchgearbeitet; sie war unter Verzicht auf Ge-selligkeit stets die unermüdliche Mitarbeiterin ihres Gatten. Aus persönlichem Erlebenkenne ich diese der Allgemeinheit vielleicht verborgen gebliebene wertvolle Mitarbeit, diestille und vornehme Gastlichkeit, die nimmermüde selbstlose Hilfsbereitschaft dieser Frau."
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Gedruckt und erschienen als Beilagen
Fun
Zentralblatt
für
Arbeitsmedizin.
und Arbeitsschutz.
Märchicht 1954.