Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Als Marie Juchacz im" weisen Alter" begann, Stationen und Erlebnissemit Stichworten, ausführlicheren Notizen und auch zusammenhängenden Ab-schnitten zu formulieren, musste sie sich nun selbst damit auseinander-setzen, ob und in welchem Umfange bei einem solchen" Rechenschaftsbe-richt über das eigene Leben" Ereignisse aus der privatesten Sphäre be-rücksichtigt oder eliminiert werden müssen. Sie hat au an diesen For-mulierungen mit dem Fleiss und mit der Gründlichkeit gearbeitet, diesie immer auch für ihre politisch- beruflichen schriftlichen Arbeitenaufwandte. Das Schreiben fiel ihr schwer, sie strich vieles durch, for-mulierte neu, ergänzte, und nicht nur die Roh- Manuskripte ihrer poli-tischen Aufsätze, sondern auch ihre leider unvollendeten Lebenserinne-rungen zeigen wiklopit ihr Bemühen, jedem Gedanken oder Gesichts-punkt den besten stilistischen Schliff zu geben.

er

Für mich, der ich die ersten fünfundzwanzig Jahre meines Lebens in" gemeinsamer Häuslichkeit" mit Marie Juchacz verbrachte, und davonzwanzig Jahre im vollen Bewusstsein des Miterlebens, ist es nichtleicht gewesen, rückerinnernd den Schlüssel zum Menschen Marie Juchacz zu finden und Zusammenhänge zu ergründen, die besonders für das LebenMempeken wichtig sind, die im Licht der Öffentlichkeit stehen.So erklärt sich das Bemühen des Biographen, im Sinne der von Marie Juchacz verstandenen Diskretion aus dem privaten und öffentlichen Le-ben dieser Frau die Symbiose zu finden, die ihren Charakter, ihr Wesen,ihre Art und ihr Wirken auf die engere und weitere Umgebung nachträg-lich deutlich und verständlich macht.

Für viele, die sie kannten, mag es oft- meist sogar immer- den An-schein gehabt haben, als ob ihr Herz, und damit ihr Da- sein, nur ihrerpolitischen Aufgabe gehört habe. Die meisten ihrer besten und engstenMitstreiterinnen und beruflichen Freunde haben zu ihren Lebzeiten undnach ihrem Tode versucht, sich selbst darüber klar zu werden. So sagtAnna Stiegler :

" Wenn ich ehrlich sein soll: ich habe nie einen wirklich persönlichenKontakt zu Marie Juchacz gefunden. Ob es an mir lag, oder an uns bei-den? Ich weiss es nicht. Lotte Niehaus, die ich fragte, da sie ja vonAnfang an in der Arbeiterwohlfahrt mit gearbeitet hat, sagte das selbe.Bei allen: Hoobachtung für ihre Leistungen, aber darüber hinaus habenwir alle sie kaum kennen gelernt, und das ist sehr schade!"

Wie diskrepant lingt es dagegen, wenn Marie Juchacz oft auf Ihre Fra-gen, warum gerade sie für diese oder jene Funktion ausgesucht wurde,zur Antwort erhielt: