Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

.

- 3-

" Weil wir Sie kennen!"

Vielleicht gelingt es mit diesem Buch, Marie Juchacz auch menschlichall denen nahe zu bringen, die über die Zusammenarbeit mit ihr hinausdas Bedürfnis hatten, etwas mehr von diesen Menschen und nicht nur vonder Politikerin- zu wissen.

-

-

Bald nach der Rückkehr aus der amerikanischen Emigration, im Jahre 1950.begann Marie Juchacz mit der Niederschrift ihrer Erinnerungen. Viel Zeitblieb ihr dafür nicht, denn das, was im Nachkriegsdeutschland knappzwei Jahre nach der Währungsreform- politisch, wirtschaftlich und ge-sellschaftlich neu erstand und zusammenwuchs, nahm ihr ganzes Interessein Anspruch. Sie reiste durch das Bundesgebiet, war heute in Ham­ burg , morgen in Berlin , wenige Tage später in Düsseldorf und Bonn , uman Besprechungen, Konferenzen, Tagungen und Veranstaltungen teilzuneh-men. Sie hielt kurze und längere Referate, besuchte Freunde, von denensie sechszehn Jahre lang getrennt war, nahm zu den Problemen Stellung,mit denen sich die nach dem Zusammenbruch 1945 wiedererstandene" Arbei-terwohlfahrt" auseinandersetzen musste, und schrieb das Buch" Sie leb-ten für eine bessere Welt", Lebensbilder führender Frauen des 19. und20. Jahrhunderts, 29. Kurzbiographien, die in ihrer Gesamtheit ein ge-schlossenes Bild der sozialistischen Frauenbewegung geben. Diesem Buchist ein Brief vorangestellt, den Friedrich Stampfer , der kürzlich ver-storbene Chefredakteur des sozialdemokratischen" Vorwärts" und jahrzehn-telanger Mitstreiter und Parteifreund von Marie Juchacz , an sie schrieb:" Als Du mir das Manuskript zu lesen gabst, empfand ich es sofort als ei-nen Mangel, dass von Dir selbst darin nicht die Rede ist. Du hast dasBuch dem Andenken Deiner Mitkämpferinnen gewidmet, die vor Dir dahinge-gangen sind, aber so streng lässt sich die Grenze zwischen Leben undTod nicht ziehen. Eine Geschichte der sozialistischen Frauenbewegung inBiographien ist unvollständig, wenn darin Marie Juchacz nur als Erzähle-rin, nicht auch als Handelnde in Erscheinung tritt."

Noch bevor Marie Juchacz die Fülle ihrer Aufzeichnungen zu einer geschlesenen Autobiographie zusammenstellen konnte, um damit am Beispiel ihreseigenen Lebens ihren Beitrag zu leisten zur Geschichte der sozialisti­ schen Frauenbewegung im allgemeinen, und zur Entwicklungsgeschichte derArbeiterwohlfahrt in besonderen, schloss sie- sechs Wochen vor ihrem77. Geburstag- am 28. Januar 1956 für immer die Augen.

Die von ihr nur zum Teil zusammengefassten Darstellungen einzelner Le-bensabschnitte und die Fülle der hinterlassenen Notizen und Briefe er-