Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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beschäftigten Tochter- in ihrer kleinen Wohnung.in ihrer kleinen Wohnung. Das junge Mädchen warsehr geschickt mit Nadel und Faden. Der Traum der beiden Frauen war, dassdas Mädchen Schneiderin würde. Sie hatte sich bereits eine Lehrstellein dem nahen Städtchen Brügge im Kreis Soldin gesucht. Der Wunsch wurdenun eines Tages dem Gutsbesitzer vorgetragen. Seine Antwort war kurzund bündig:" Gut, ich kann es nicht hindern. Dam muss das Mädel dieWohnung räumen, und Du kannst zweimal einen Kreide strich durch DeineStube ziehen." Die Schwester meiner Mutter wusste, was das heissen soll-te:" Hier kommen noch drei Betten herein, und Du teilst Deine Stube mitdrei alten Frauen vom Gut, die ebenfalls das Gnadenbrot erhalten." DieTochter wollte von der Mutter dieses Opfer nicht annehmen, verzichteteauf die Ausbildung als Schneiderin und blieb auf dem Gut, so lange, bissie selber alt und verbraucht war. Wie es ihr ergangen ist, weiss ichnicht.

Neun Jahre war meine Mutter alt, als sie beifremden Leuten" um's Brot" verdingt wurde. Die Eltern waren tot, und des-halb war für sie kein Platz auf dem Gut. Sie" diente" nun in einer Mülle-rei, in der auch Brot zum Verkauf gebacken wurde. Der Brotteig wurde amAbend angesetzt. An jedem Morgen, vor Beginn der Schule, musste einegrosse Mulde Brotteig von schwachen Kinderarmen geknetet werden. Das wardie Hauptbeschäftigung eines neunjährigen Kindes. Wenn es dann aus derSchule kam, gab es eine Fülle teils leichterer, teils schwererer Arbeit,bis in die späte Nacht hinein. Das Kind war übrigens eine gut lernendeSchülerin, das der gleichaltrigen Tochter des Brotherren oft bei denSchularbeiten helfen musste. Zu essen scheint es genügendgegeben zu ha-ben, aber die Mutter wies oft auf ihren gebeugten Rücken hin. Der seidurch die frühzeitige und zu schwere Arbeit so geworden. Die Schule, diemeine Mutter besuchte, kann nicht schlecht gewesen sein. Ich konnte dasihrenan Briefen einer Hutter sehen, die sehr gut im Deutsch und besondersplastisch im Ausdruck waren. Sie hatte eine natürliche Intelligenz undfand über Menschen und Dinge sehr schnell ein gesundes Urteil. Dazu warihr Vieles an vernünftigen Lebensformen vollkommen bewusst, und sie hatdas sehr gepflegt.

So gab es in dem Hause neben uns noch einige recht