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geschnitten wurden, so das Anti- Kriegs- Buch von Bertha von Suttner und" Die Frau und der Sozialismus" von August Bebel . Diese Lektüre und dieUnterhaltungen mit Bruder Otto über sozialistische Probleme, über das" Erfurter Programm " der Sozialdemokraten, das sie sich mit vieler Müheals Druckschrift beschaffte, und ihre gute Beobachtungsgabe, xxx* x*мäk******************* mit der sie die Verhältnisse in Landsberg stu-dierte, hatten Erkentnisse zur Folge, die für eine Fünfzehnjährige ver-blüffend waren, mit denen sie sich aber im luftleeren Raum abmühte,weil ihr die Antworten auf die vielen Fragen fehlten oder aber nochnicht verständlich waren. Sie wusste, dass die Sozialdemokraten für dasStimmrecht der Frauen kämpften, hatte sich schon ein Jahr vorher dieNotiz aus der Zeitung herausgeschnitten, in der es hiess, dass in Neu seeland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, und machte sich Gedankendarüber, dass sich Gewerkschaften bildeten, die sich für die Interessender Arbeiterklasse einsetzten. Auch mit religiösen Fragen hatte siesich schon als Schulkind beschäftigt und mit fast unbekümmerter Selbst-verständlichkeit die Forderung des Erfurter Programms der Sozialdemo-kraten, dass Religion Privatsache sei, zu ihrer eigenen Auffassung ge-macht. Marie hatte die schon damals die grosse Gabe, gut zuhören zukönnen, ohne selbst etwas zu sagen. So hatte sie einmal beim Einkaufenim Milchladen gehört, wie sich zwei Frauen über Nachbarsleute unter-hielten, über eine Familie Kaiser , deren einer Sohn zur Bürgerschule
ring," also mal was Besseres werden soll", während sich der andere alsfreireligiöser Wanderredner heruntrieb/. Später, als dieser" Wanderred-ner" in Landsberg eine wichtige Rolle spielte, entsann sich Marie andiese Klatscherei der Frauen, und an ihr eigenes Bemühen, unbedingtwissen zu wollen, was ein" freireligiöser Wanderredner" xxx sei.Je mehr sie sich mit diesen Dingen beschäftigte, desto unklarer wurdedie Vorstellung von ihrem eigenen Lebensweg.
Vater Gohlke durchschnitt eines Tages diesen gordischen Knoten undlegte einige Adressen von Familien auf den Tisch, bei denen sich Marieals Hausmädchen vorstellensollte.
Sie machte sich alleine auf den Weg, stellte sich bei einem Kaufmannvor, der einen grossen Haushalt mit vier Kindern hatte," etwas zu vielfür ein so junges Mädchen", wurde von einem Gasthof besitzer weiter-geschickt, weil in seinem Hause auch Reisende verkehrten und übernach-teten, die sich zu sehr für das heranreifende Mädchen interessierenkönnten, und kam zum Schluss zu einer Familie, deren Verhalten sieabschreckte und in deren Wohnung sie sich nicht wohlgefühlt hätte: