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standenen beginnenden" Wirtschaftswunders", mit einer Selbstverständlich-keit als gültig hingenommen wird, als ob es niemals nötig gewesen wäre,nicht nur mit Rkukxxxяяяякя Tränen, sondern auch mit Blut um diese heuteso selbstverständlichen Errungenschaften zu kämpfen.
Wir begrüssten es, dass auch der Parteitag in Dresden im xxxxx denkwürdi-gen Jahre 1903 eine warmherzige Sympathiekundgebung zugunsten der 7500kämpfenden Crimmitschauer Weber beschloss. Sie stünden im Kampf gegen einrücksichtsloses Fabrikantentum unter der Beugung des Koalitionsrechtes undunter unglaublichem Polizeidruck. Dieser Kampf um einen Zehnstundentag seidie Etappe zur Erlangung des Achtstundentages für alle Arbeiter. Die mo-ralische und materielle Unterstützung dieses Kampfes sei selbstverständ-liche Pflicht.
Auch diesen Dresdener Parteitag, den ich in Inhalt und Auswirkung späternoch oft mit erfahrenen Sozialdemokraten diskutierte, erlebte ich aus derPerspektive des interessierten Zuschauers. Aus der Ankündigung in der Zei-tung sah ich, dass ein Parteitag etwas ganz Besonderes xxxxxxш**** für al-le Sozialdemokraten sein müsse. Ich hörte auch in meinem Freundeskreis,von denen einige schon ein paar Mal in Berlin waren, von den Meinungs-verschiedenheiten, die des öfteren heftig diskutiert würden. Es sei nichtimmer alles" so einig" bei den Sozialdemokraten. Unser Volksblatt brachteauch die Verhandlungen des Parteitags relativ ausführlich, und sie wurdenauch bei uns sehr lebhaft diskutiert, wobei ich mich sehr zusammennehmenund mich zur Aufmerksamkeit und Sachlichkeit zwingen musste. Es hat eineWeile gedauert, bis ich mit dem duch die Parteitags debatten entstandenenSchock fertig wurde, denn August Bebel war für mich ein Gott gewesen,während mir Heinrich Braun , Georg Bernhard und andere damals noch unbe-kanntere Groessen waren. Innerlich war ich zuerst bereit, mich in derfraglichen Angelegenheit ganz und vorbehaltlos auf die Seite von August Bebel zu stellen, aber das Durchlesen,- sprechen und-denken der Berich-te zwang mich zur kritischen Betrachtung der Differenzen, und ich weissnoch, dass ich zu dem Schluss kam, dass von beiden Seiten viel zu heftigund nicht genügend sachlich gekämpft worden war.
Es handelte sich hauptsächlich um die Frage, ob es Sozialdemokraten er-laubt sein solle, an bürgerlichen Zeitungen und Zeitschriften mitzuarbei-ten, sei es als Redakteur oder Schriftsteller, wenn in diesen Blätternan der sozialdemokratischen Partei gehässige oder hämische Kritik geübtwürde. Erlaubt sollte diese Mitarbeit sein, wenn die Voraussetzung des" Gehässigen und Hämischen" nicht erfüllt sei. Doch sollten im Interesseder sozialdemokratischen Partei und der in solchen Stellungen tätigenSozialdemokraten diesen keine Vertrauensstellungen gegeben werden.Der Antrag des Parteivorstandes wurde angenommen, August Bebel hatte ge-siegt. Die Debatte, so unangenehm und deprimierend ich sie auch empfand,