Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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gab mir Einblick in manche Dinge; so in das Zeitungs- und Zeitschriften-wesen, und machte mir klar, dass Schriftsteller und Redakteure zum Prole-tariat gehörten und um ihre Existenz zu kämpfen hatten, dass die meistenbürgerlichen Blätter die Sozialdemokratie in völlig unsachlicher Form be-kämpften( woran sich auch bis heute nicht geändert hat), und schliesslichvidauch, dass mancher in der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern eine Möglichkeit sah, um auf Bevölkerungskreise, die keine sozialistischen Zeitungenzu lesen bekamen, mit sozialistischem Gedankengut einzuwirken. Nicht zu-letzt stellte ich fest, dass man sehr genau zwischen wissenschaftlichenBlättern und Zeitschriften, politischen Tagesblättern und Sensations-schriften unterscheiden musste.

Ich muss in meiner sozialistischen Überzeugung schon ziemlich gefestigtgewesen sein, dass mich die Erfahrung dxx mit den Parteitags- Kämpfen ausder Ferne nicht unheilbar erschütterte. Eines habe ich bei den verschiedenen Gelegenheiten des Meinungsaustauschs an mir selber erprobt, nämlichdie Fähigkeit, Gelesenes auch richtig zu interpretieren. Des öfteren wur-de in unserem kleinen Kreis darüber gesprochen, was man gelesen hatte undwelche Schlüsse man daraus zog. Und sehr oft konnte ich an Hand der Zei-tung beweisen, dass man es falsch verstanden hatte. Darüber empfand ich RFreude und Befriedigung.

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Als Frau stand ich gerade in Landsberg , und auch unter den persönli-chen Verhältnissen, unter denen ich zu leben und zu arbeiten hattetrotzdem immer am Rande des politischen Geschehens. Das preussische Vereieinsrecht erlaubte es uns nicht, uns zu organisieren, eine Vorstellung,mit der ich mich nicht abfinden konnte. In den politischen Versammlungensass man als Frau an der Seite, eine politische aktive Betätigung wurdeuns nicht gestattet. So dagte man zu mir, wenn das Gespräch darauf kam.Ich konnte das nicht so ganz glauben und hatte auch schon davon gehörtund darüber gelesen, dass die Frauen der Großstadt Mittel und Wege gefun-den hätten, am öffentlichen Leben teilzunehmen. In meiner HeimatstadtLandsberg aber gab es für mich nicht die geringste Möglichkeit, mit denFrauen meines Bekanntenkreises ein ernsthaftes Gespräch über diese Fragenzu führen. Sie schauten mehr entsetzt als verwundert, wenn ich versuchte,ein solches Gespräch anzufangen. Die gleichaltrigen Frauen, die ich vonder Schule her kannte, und auch von der Arbeit in der Fabrik und in derIrren anstalt, hielten mich wohl für reichlich überspannt. Als ich ver-suchte, mit einigen älteren Frauen in dieser Richtung Kontakt aufzuneh-men, stiess sich auf eine Gleichgültigkeit, die mich innerlich noch re-bellischer machte und die meist in Formulierungen Ausdruck fand, wie" Wo-zu die Mühe und Aufregung, Frau Juchacz ! Mit uns wird ja doch letztenEndes das gemacht, was die' hohen Herren' wollen."

Auch das Denken und schliessliche Erkenntnisse brauchen Zeit bis zur