Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Frauen- Leseabenden gehört, gab uns Literatur und riet uns, mit S.-zialdemokraten unseres Wohnbezirks- im Osten Berlins - in Verbin-dung zu treten und mit ihrer Hilfe einen Frauenleseabend einzu-Arichten, wobei wir uns dann auch gemeinsam mit der in Frage kommen-den Literatur bekanntmachen könnten. Das wäre auch der beste Weg,um in die politische Bewegung hineinzukommen.

So geschah es. Mit Hilfe der sozialdemokratischen Genossen brachtenwir es fertig, für unsere" Leseabende" einen kleinen Kreis von Män-nern und Frauen zu organisieren. Diese Abende waren aber nicht sound interessant uns das wohl von unserer Landsberger Exit Erfahrungvorgestellt hatten. Auch den anderen war das Ganze noch etwas unge-wohnt.

Wir beide, lisbeth und ich, waren an den ersten Abenden sehr still.Irgendwie fühlten wir uns den Männern wohl unterlegen. Unsere Unter-haltung begann erst, wenn wir wieder allein waren, wo wir dann dasFür und Wider des Abends sehr kritisch unter die Lupe nahmen.***Diese Debatten halfen uns, die besprochene Literatur besser zu ver-stehen.

Daneben lasen wir für uns gierig den" Vorwärts", und benutzten jedeMöglichkeit, die sich bot, um die eine oder andere grosse Versamm-lung zu besuchen, wie wir sie vordem nicht erlebt hatten. Aber einesTages wurde es plötzlich interessant: als wir zum Leseabend in daskleine Lokal kamen, das unser Treffpunkt war, sass da eine kleine,rundliche Frau mit ausdrucksvollem Gesicht, straff zurückgekämmtemHaar, und führte das grosse Wort, während unsere männlichen Freundemit verlegenen Gesichtern dabeisassen.

Eses war Margarete Wengels, dixdaVertrauensperson für die sozialdemokratischen Frauen des Berliner Ostens, dieuns wie es schien in grosser Erre-gung, aber in fliessender Rede und sehr ausführlich- schilderte,dass- und warum- wir a lles falsch gemacht hätten. Wir hät-ten uns bei ihr melden müssen und sie hätte uns dann gesagt, was zutun sei. Sie schien sehr böse auf uns zu sein.

Nachher erfuhren wir, dass Margarete Wengels eine sehr geachtete undtapfere Persönlichkeit in der Frauenbewegung sei. Sie hatte schonbald nach dem Fall des Sozialistengsetzes die Berliner Frauen- Agi-tationskommission als Vertrauensperson vertreten und war 1893 in einner Frauenssitung, die anlässlich des Kölner Parteitages stattgefun-den hatte, dazu bestimmt worden, als Zentralvertrauensperson dieAgitation unter den Frauen im Reich zu fördern, Wünsche entgegen zu