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den, was Elisabeth und ich natürlich nicht wussten. Wir waren hinge-gangen, um uns einen sicher für uns sehr interessanten Vortrag anzu-hören. Alle Bemühungen des Genossen F., die anwesenden Frauen ausder Reserve herauszulocken, waren vergeblich. Wir blieben allestumm. Genosse F. sah mich besonders dringlich an, als er fragte,ob denn niemand etwas zu seinem Vortrag zu sagen habe. Da fassteich Mut und meinte, es täte mir leid, keinen Anknüpfungspunkt fin-den zu können. Er habe in seinem Referat ein viel zu grosses Gebietin viel zu kurzer Zeit behandelt. Schön, dem einen oder anderen Ge-danken, der klar herausgearbeitet worden sei, könne man zustimmen,aber um strittige Gesichtspunkte aus der behandelten Materie heraus-greifen zu können, fehle es uns allen sicher an den Vorkenntnissen.Ich würde doch vorschlagen, ein anderes Mal über ein mehr abgegrenz-tes Thema zu sprechen, das die Möglichkeit biete, sich mit den tat-sächlichen Problemen, die uns als Frauen betreffen, zu beschäftigen.Die Fragestellungen dürften nicht verklausuliert*****, sondernmüssten einfach und klar sein.
Mir hatte bei meinen Ausführungen ein wenig das Herz geklopft, weilcnichich noch völlig fremd in diesem kleinen Kreis- ik als Erste zumWort gemeldet hatte. Die Berechtigung meiner Kritik wurde aber rest-los anerkannt, auch von dem Genossen F., woraus sich ergab, dass wiruns bereiterklärten, beim Auf- und Ausbau dieser Abende mitzuhel-fen. Wir waren damit in eine erfreuliche Arbeitsgemeinschaft aufge-nommen worden. Mir ist heute noch nicht klar, ob es nicht ein Trickdes Genossen F. war, diese Zusammenkunft so aufzuziehen, dass ichmich schliesslich doch äusserte.
Bis dahin hatte ich munter und ohne Hemmungen Versammlungen gelei-tet, in Sitzungen die Verhandlungen geführt, mich in Frauenabendenan der Diskussion beteiligt und keine Scheu empfunden, weil sich allles natürlich entwickelte und von selbst ergab. Genau so erging esmeiner Schwester: Wir machten das, was wir uns schon immer als denbesten Weg vorgestellt hatten, ohne zu wissen, wie dieser Weg nunaussehen würde: wir wachsen hinein."
Zum ersten Mal am Reduerpult
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Einige Tage nach dieser Zusammenkunft Marie, Elisabeth und MutterGohlke sassen über ihrer Näherei brachte die Post einen Brief, dervom Ortsvorstand der SPD kam, die Unterschrift des Genossen F. trug,und in dem es hiess, dass xxx sich die Genos sinnen Juchacz und Roehlin dankenswerter Weise zur Mitarbeit bereit erklärt hätten. Nunmehrwürden beide Genos sinnen gebeten, am sounsovielten im Lokal sowies ●