L
81
nach Aufforderung."
" Wir haben Sie ja nur aufgefordert, weil wir ganz genau wissen, dassSie und Ihre Schwester ××××× д bereit sind, Verantwortung zu über-nehmen. Das habe ich schon bei unserem ersten Zusammentreffen ge-merkt, als Sie mein Referat in Grund und Boden verdonnerten." Und wenn es mir und meiner Schwester genau so geht? Wenn wir nachunseren Referaten von der Versammlung in Grund und Boden verdonnertwerden?"
" Da kann ich Sie jetzt schon beruhigen. Die Männer und Frauen, diein diese Versammlung kommen werden, wollen etwas lernen, wollen wis-sen, dass Religion und Sozialismus zwei Dinge sind, die sich über-haupt nicht miteinander vertragen, oder sogar sehr gut. Wenn man ih-nen das in klarer Sprache- und das ist Ihre grosse Stärke, GenossinJuchacz ! auseinandersetzt, verstehen Sie es. Und wenn sie es nichtverstehen, werden sie nach der Versammlung in der Diskussion danachfragen."
" Haben Sie denn irgendwelche Unterlagen, die mir noch zu meiner ei-genen Vorstellung Anregungen geben könnten?"
" Habe ich bereits zusammengestellt."
-
" Mit einem Haufen Literatur und guten Ratschlägen kam ich als Geselschlagene zu Hause an. Wir gingen mutig an die Arbeit, was bliebuns anderes übrig! Wir lasen, diskutierten, jeder machte für sichein ausführliches Manuskript, das wir überall hin mitnahmen, um esimmer zur Hand zu haben und unsere Konzeptionen zu überlesen. Dannmachten wir Auszüge, die aber immer noch sehr ausführlich waren.
Nun ja, ich glaube, ich habe es mit meinem ersten öffentlichen Vor-trag auf dreissig Minuten gebracht, und bei Elisabeth dürfte esgenau so lange gedauert haben.- Und das Lampenfieber!
Aber es wurde, wie Genosse F. richtig vorausgesehen hatte, disku-tiert, und das war dann sehr schön und anregend.
Meiner schwesterlichen Liebe war es ähnlich ergangen, aber das Eiswar gebrochen, bei uns beiden. Wir hatten es von nun ab noch not-wendiger- das hatten wir gespürt-, an uns zu arbeiten und uns sel-ber kritisch zu beobachten.
Noch oft erinnerte sich der gute Genosse F. sehr stolz an seineTat:" Tja, man muss die jungen Hunde ins Wasser werfen, wenn sieschwimmen lernen sollen!"- Ich möchte mich aber auch heute nichtdafür verbürgen, dass diese Methode immer die Richtige ist.Jedenfalls avancierten wir beide, Elisabeth und ich, zur gleichen