Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Zeit zu Rednerinnen, zuerstin für die sozialistische Frauenbewe-gung in kleinen sehr bald auch in grossen Frauen- und allgemeinenParteiversammlungen. Was mir noch heute stille Bewunderung abnö-tigt, die Selbstverständlichkeit, mit der meine um fast/ zehnJahre jüngere Schwester, 20 Jahre alt und mit einem einjährigenSohn zu Hause, sich auf dem Podium an das Rednerpult stellte unddas nicht sehr leichte Thema auch dann konsequent behandelte, wennsie in der verständlichen Aufregung die Seiten ihres Manuskriptsdurcheinandergebracht hatte und so lange frei reden musste, bissie die Blätter wieder geordnet hatte. Rax Meine Hemmungen warendagegen viel grösser. Das merkte ich gleich in den nächsten kleine-ren Versammlungen, in denen ich zu sprechen hatte. So lange dasAusmass der Veranstaltungen nicht zu gross war, konnte ich meineerste Scheu immer sehr schnell überwinden.

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Eines Abends xxx ich sehr eilig von meiner Arbeit nach Hause, weilich noch in einer Versammlung gehen wollte, auf der Louise Zietz zum Thema" Die Frauenarbeit in der heutigenGesellschaft" sprechensollte. An der Haltestelle der Strassenbahn stand, als ich hinkam,schon eine Gruppe mir bekannter Frauen, die mich bereits erwarte-ten:

" Louise Zietz ist verhindert, Du musst einspringen!"" Ja, aber das geht doch nicht, so ohne weiteres...!"

Yes geht, hier ist Dein Manuskript. Elisabeth hat es unsgegeben, und ein Butterbrot dazu. Du kommst gleich mit, der Saalist schon brechend voll."

Es war Elisabeths Manuskript, aber ich kannte es. Wir hatten denStoff in der uns geläufigen Weise verarbeitet: erst jeder für sich,und dann beide zusammen. Zu meinem eigenen Erstaunen brauchte ichgarnicht oft in die Notizen hineinsehen. Es rollte alles vor meinemgeistigen Auge ab, aber es war nicht etwa auswendig Gelerntes, dennich entdeckte zum ersten Mal ganz bewusst, dass man beim Sprechenauch gedanklich arbeitet. Wahrscheinlich hatte ich das schon frü-her getan, aber es bis jetzt noch nicht so deutlich gemerkt. Jetztwar es eine Offenbarung, die mich glücklich machte. Die Genossin-nen drückten mir hinterher begeistert die Hände. - Mein väterlicherProtektor, Genosse F., stand während meiner Rede irgendwo in einerEcke, dann war er verschwunden.

Später fragte ich ihn nachseinem Urteil.

" Am Inhalt habe ich nichts auszusetzen, Mariem aber Deine Gestensind zu sparsam. Du wirkst viel zu ruhig, mitunter sogar steif. Dunimmst mir doch nicht übel, wenn ich das sage?"