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terlan dslosen Gesellen" vergessen zu machen, prägte Wilhelm II. das| göbbels- würdige Zitat:" Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nurnoch Deutsche!"- Waren die Sozialdemokraten jetzt gut genug, um demAusland ein" einheitliches Gesicht" zu zeigen?- Vor der Abreise Hof-richter's war mit allem Ernst über diese Frage gesprochen worden. Wür-den sich die Sozialdemokraten in Berlin " überfahren" lassen?
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" Nein nicht so würde man denken, sondern sachlich und politisch ab-wägen. Da kan schon die Nachricht durch: die Sozialdemokraten habenfür die Kriegskredite gestimmt!- Adolf Hofrichter kam zurück nachKöln . Er erzählte von der Stimmung in der Fraktion, dass er- mit einigen anderengegen die Bewilligung der Kredite gesprochen habe, aberdann sei die sehr kleine Minderheit der Mehrheit unterlegen, weil sichin der Fraktion die Überzeugung durchsetzte, dass Deutschland sich inder Abwehr befinde. Es sei keine prinzipielle, sondern eine taktischeEntscheidung gewesen. Im Falle eines Angriffs lasse man das Land nichtim Stich, sagte die Mehrheit. - Ich fühlte die Schwere der Entschei-dung wie eine Zentnerlast, die mich bedrückte, wo ich auch war, zuHause, bei unseren Freunden, bald auch in den Versammlungen, wo erregtdarüber diskutiert wurde, was richtiger gewesen wäre. Die' Rheinische Zeitung mit Jean Meerfeld, Wilhelm Sollmann und Georg Beier war unsin diesen kritischen Tagen eine grosse Stütze. Dass sie vor der Militär-zensur nicht kroch, davon zeugten die vielen weissen Stellen in dentäglichen Ausgaben. Man liess sich dort nicht' umbiegen'.- Übrigensbestätigte es sich in den ersten Kriegstagen, dass tatsächlich eineVerfügung zur Unterdrückung der Sozialdemokratie bestand. Einer derBeamten des Regierungspräsidiums nahm das Papier irrtümlich- ohne Be-fehl- aus der Schublade, das Verbot der Zeitung wurde erlassen, dieVerhaftungen sollten gerade erfolgen,- als man von höherer Stelle'erfuhr, dass noch kein Befehl dafür erlassen sei. Daraufhin wurdendie Beschlagnahme- und Verhaftungsmassnahmen sofort wieder rückgängig
gemacht."
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Die Ereignisse dieser Tage lassen sich in den Geschichtsbüchern nach-lesen. Marie, Elisabeth und Emil Kirschmann wurden- wie alle anderenMenschen- in diesen Tagen durcheinandergerüttelt, versuchten, in
irgend einer Form zueinander zu finden, irgendetwas zu unternehmen,was sinnvoll. war. Aber was war denn sinnvoll? Was konnte man auf ei-gene Faust unternehmen?- Am 2.Am 2. August 1914 stellte die deutsche Re-gierung ein Ultimatum an Belgien , und schon am 4. August marschierten