Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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blieben, wurden Fachkräfte eingestellt. Wir konnten den von uns ange-lernten Frauen einen bedeutend höheren Stücklohn zahlen, xxxxxx wie ervon den Fabrikanten gezahlt wurde. Was unseren heimarbeitenden Frauenrecht war, sollte der Masse der von den Fabrikanten beschäftigten Frau-en nur billig sein, denn der Typ des Kriegsgewinnlers machte sich be-reits bemerkbar. So benutzten wir eine gute Gelegenheit, die Herren imVersorgungsamt auf die von uns gezahlten Löhne aufmerksam zu machenund auf die wesentlich niedrigeren Löhne der Fabrikanten hinzuweisen.Die Folge war, dass den Fabrikanten zur Auflage gemacht wurde, die gleichen Löhne zu zahlen wie wir. Sie taten es, denn es blieb ihnensie weiterarbeiten wollten- nichts anderes übrig.

-

wenn

Wir beide- Elisabeth und ich hatten uns das Mandat zu dieser Arbeitvom Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschenäherinnen gebenlassen."

Die beiden Frauen besassen ja aus ihrer eigenen praktischen Erfahrungdie Kenntnisse auf diesem Gebiet, kannten sich in der Fachsprache aus,konnten disponieren und kalkulieren, und erhielten im Handumdrehen dasVertrauen des Verbandes. Wie richtig sie disponiert hatten, sollte sichzu Kriegsende zeigen Marie Juchacz war zu dieser Zeit nicht mehr inKöln , und Elisabeth war Stadtverordnete-, denn obwohl jedes Wäsche-stück nur mit einem halben Pfennig Gewinn angesetzt war, blieben nachKriegsende bei der Auflösung der Heimarbeitszentrale viele tausendMark übrig.

" Elisabeth und ich hatten an dieser Arbeit unsere berechtigte Freu-de. Die Soldaten mussten ja nun einmal versorgt werden. Ausserdemgab es unter den Millionen, die an irgend einer Front im Westen o-der Osten standen, viele nächste Freunde und Bekannte, und auchEmil Kirschmann gehörte zu ihnen. Wichtig war ferner, dass die zuHause wartenden Frauen eine Nebeneinnahme erhielten. So glaubtenwir, mit unserer Arbeit die Auswirkungen dieses schrecklichenKrieges wenigstens etwas mildern zu können.

Eine Zeit lang hatten wir unserer Heimarbeitszentrale einen kleinen La-den angeschlossen, in dem erfreulich hübsche Frauen- und vor allem Kin-dersachen aus Resten, mit buntem Material verziert, sehr billig ver-kauft wurden. Trägerin dieser Idee war eine Dame der Kölner Gesell-schaft, eine Frau mit starker kunstgewerblicher Begabung, praktischemSinn und pädagogischem Geschick. Sie war auch zum grossen Teil dieAusführende und Lehrmeisterin, die geschickten Frauen zeigte, wie sieaus Resten, mit geringen Mitteln und mit wenig Zeitverbrauch einfache,