Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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" Die beiden in dieser Zeit wohl bekanntesten Frauen, beide in verant-wortlichen Positionen, Klara Zetkin als Redakteurin der' Gleichheit'und Mitglied der Kontrollkommission, und Louise Zietz als weibliches.chach Gotha Mitglied des Parteivorstands, gingen zum Gründungsparteitag der USPD ',in deren Vorstand Louise Z. gewählt wurde. Die Zusammenarbeit im Vor-stand der SPD war schon vorher lädiert. Der schon seit einiger Zeitverwaiste Posten von Louise Z. als zentrale Frauensekretärin konnteaber nicht vor Klärung dieser Angelegenheit neu besetzt werden. Die indie Wehen der Spaltung zwangsläufig mit hineingezogene Frauenbewegungnicht nur Berlins war zerrissen, die Frauen selbst verstört und miss-trauisch. Mit dem Parteitag der USPD war nun die Spaltung endgültigvollzogen. Eine Wiedervereinigung blieb einer ungewissen Zukunft vor-behalten. Zuerst wurden gegenseitig noch viele Wunden geschlagen, dieerst verheilen mussten."Frauensekretärin

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Nines Rapitel[ Als zentrale Fraven sekretärin

nach Berlin ]

Marie und Lisbeth, in erregter Unterhaltung über alles, was um sieherum vorging, besprachen gerade die Notwendigkeiten einer gutgeglie-derten Organisation für die Massenspeisungen in Köln , als ein Briefvon Friedrich Ebert , dem Vorsitzenden der SPD , aus Berlin eintraf, indem er Marie bat, zu einer dringenden Unterredung nach Berlin zu kom-men. Ohne die geringste Vorstellung von dem, was man von ihr erwarte-te, fuhr sie los. Die Unterhaltung mit Fritz Ebert war kurz und klar:" Wollen Sie den Posten einer zentralen Frauensekretärin der Sozialde-mokratischen Partei übernehmen und auch als Vorstandsmitglied der SPD in dieser Eigenschaft fungieren?"

" Grundsätzlich bin ich dazu bereit, aber-- das ist doch die Funktion,die Louise Zietz bis vor einiger Zeit ausübte?"

Ebert nickte nur, denn er wusste, was sich Marie Juchacz in diesenSekunden überlegte: durch Louise Zietz war Marie auf den Weg gebrachtworden, der sie nun als deren Nachfolgerin zu einer Runkkian TätigkeitZwang, die sich irgendwann einmal auch gegen Louise Zietz richten

würde. Als Marie ihre Gedanken laut formulierte, meinte Ebert,dass er Marie als einen Menschen einschätze, der nicht nur dieKlarheit, sondern auch die Festigkeit besitze, um auch mit solchenSchwierigkeiten fertig zu werden.

Marie wusste, dass sie nach aussen hin diesen Eindruck machte, dassdieser aber nicht immer ihrer inneren Haltung entsprach. Im FalleLouise Zietz war sie sogar innerlich sehr erregt, erklärte sichaber bereit, das Amt der zentralen Frauensekretärin der Sozialdemo-kratischen Partei zu übernehmen. Wenn sie sich von Friedrich Ebert noch eine Übergangszeit erbat, dann nicht nur deshalb, weil sie ih-re Kölner Arbeit nicht von heute auf morgen im Stich lassen wollte.Elisabeth sollte ihre Meinung dazu sagen, und falls es zum Umzugnach Berlin kommen sollte gab es ja noch viele familiäre Pro-bleme. Elisabeth stimmte selbstverständlich zu.