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haftet worden, weil eine Diskussionsrednerin xxxxxx die von Marie Juchacz umschrieben formulierte Forderung der Frauen nach Gleichberech-tigung allzu deutlich zum Ausdruck brachte-, kündigte sich bereits derZusammenbruch des Kaiserreichs mit seinen ersten Vorzeichen an. Schonim März hatten sich die deutschen Truppen auf die Siegfriedstellung zu-rückgezogen. Emil Kirschmann hatte an Elisabeth in Köln einen Feldpost-brief geschrieben, der Deutschlands Zukunft in den dunkelsten Farbenschilderte. Diesen Brief fand Marie jetzt in Berlin vor, zusammen miteinem Brief ihrer Schwester Elisabeth, die- entgegen ihrer sonstigenEinstellung einen sehr bedrückt klingenden Kommentar dazu schrieb. Zuallem Überdruss war Otto Gohlke krank geworden, und von Ottos Sohn Ernst,der als Soldat an der Front war, kam keine Nachricht mehr, sodass Marienicht wusste, wo ihr der Kopf stand. Auf der einen Seite verlangte diepolitische Arbeit ihren ganzen Einsatz, auf der anderen Seite wuchsendie privaten Sorgen.
Maries Bruder
" Noch nie in meinem Leben bin ich richtig krank gewesen, aber jetztfühlte ich mich- obwohl ich körperlich durchaus gesund war- so elend,dass ich es wahrscheinlich im ersten Augenblick als Erleichterung empfun-den hatte, wenn ich wirklich krank geworden wäre."
Marie Juchacz wurde nicht krank. Die Verantwortung für die ihr übertra-gene Aufgabe hielt sie aufrecht. Durch ihre Reisen von Berlin aus inalle Teile des Deutschen Reichs hatte sie viele neue Freunde gefunden,Mit Louise Schröder , Toni Pfülf , Dorothea Hirschfeld , Hedwig Wachenheim und vielen anderen war sie xxx schon sehr früh freundschaftlich verbun-den. Besonders Louise Schroeder war ihr sehr schnell näher gekommen,aber doch nicht so nahe, dass sich diese beiden Frauen auch über priva-te Probleme unterhalten hätten. Das geschah nur ein einziges Mal, alsLouise Schroeder erfuhr, dass Marie zwei Kinder hat.
" Ich bewundere Dich, Marie, wie Du trotz dieser Kinder Deine politischeArbeit bewältigst.".
" Da musst Du meine Schwester Elisabeth bewundern, die nicht nur meinebeiden Kinder, sondern auch noch ihren eigenen Jungen betreut und inKöln ihre politische Aufgabe erfüllt."
Zur gleichen Zeit, am 12. März 1918, schrieb Elisabeth aus Köln- Kletten berg einen Brief an Eveline, die Frau ihres Bruders Otto in Berlin :" Ich denke sehr oft an Euch alle, und durch Mieze erfahre ich dann undwann etwas von Euch und Eurem Leben. - Heute lege ich einige Bilder vonuns bei. Sie sind sehr natürlich, ganz besonders die Kinder. Sie sindmittlerweile alle drei sehr gross geworden, besonders Lotte erscheintschon sehr erwachsen, trotz ihrer kurzen Röcke. Paul entwickelt sich
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