Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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ren Kontakt bekam, gehörte auch Erich Ollenhauer , der seit dieser Zeitden Lebensweg von Marie Juchacz kennt. Heute, wo ihn seine Arbeit andie Spitze der SPD gestellt hat, sagt er:

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" Wir werden dem Lebenswerk von Marie Juchacz nicht gerecht, wenn wir esnur versinnbildlicht sehen in ihrem. engen Verhältnis zur Arbeiter- Wohl-fahrt. Ihre Initiative und ihre Aufbauarbeit in diesem Stück der moder-nen Arbeiterbewegung entsprang tieferen Wurzeln als nur dem Bemühen,auch auf der Seite der Arbeiterbewegung das grosse Gebiet der Wohlfahrtund Fürsorge für die sozial Schwachen unter sozialistischen Gesichts-punkten zu organisieren. Der Lebensweg von Marie Juchacz war ein Wegdes Kampfes und der Arbeit ein menschenwürdiges Dasein und für dieAnerkennung der elementaren Grundsätzrechte, vor allem für die sozialSchwachen und dabei in erster Linie für die Frauen. Marie Juchacz hatin jungen Jahren den Kampf für die politische Gleichberechtigung derFrau aus sozialer, staatsbürgerlicher und menschlicher Benachteiligungaufgenommen und sie stand schon in der vordersten Reihe, als 1918 dieRevolution den Fazuen das Wahlrecht verlieh und damit den ersten gros-sen und entscheidenden Schritt auf dem Wege der vollen Gleichberechti-gung tat.

Dabei war Marie Juchacz sebst in der Zeit der härtesten politischen Aus-einandersetzungen alles andere als der Typ der' politischen Frau', dienur die politische Aufgabe sah. In den ersten Jahren der Weimarer Repu­ blik war sie als Mitglied des Vorstandes der Sozialdemokratischen ParteiDeutschlands auch Mitglied des Vorstands der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, und wir Jüngeren haben damals in der Zeit des Aufbaues der neuensozialistischen Jugendbewegung immer in Marie Juchacz die verstehende,gute und mithelfende Kameradin gefunden.

Auch Hertha Gotthelf, heute im Vorstand der SPD , kam aus den Reihen derArbeiterjugend und fand schon sehr früh den ersten Kontakt mit Marie Juchacz

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" Es muss so um 1920 gewesen sein, als ich Marie Juchacz das erste Malbei einer sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Breslau sah. Wir' Jungen', die wir in unseren Abenden der Arbeiterjugend und der Jung-sozialisten gewohnt waren, voller Selbstvertrauen unsere Meinung zu sa-gen und die' Alten' und besonders den Parteivorstand zu kritisieren,waren ganz still und kleinlaut in Gegenwart dieser herben, klugen undüberlegenen Frau.

Dass sich hinter diesem herben Wesen sehr viel warme Mütterlichkeit ver-barg, merkte man erst, wenn man das Glück hatte, sie aus näherer Zusam-menarbeit kennen zu lernen. Nicht nur zur Arbeit der AW, die immer ihr