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liebstes Kind war, brachte sie neben ihrer grossen Erfahrung und ihremklaren, praktischen Verstand ihre ganze menschliche Grösse und Anteil-nahme. Gerade auch in der politischen Arbeit war sie immer und zuerstder gütige, warmherzige Mensch.
Die Jahre des Wirkens os Leiterin der sozialdemokratischen Frauenar-beit Deutschlands waren Jahre des Aufstiegs. Von 1918 bis 1930, alsdie wirtschaftliche und politische Krise in Deutschland sich auch inständig wachsenden Schwierigkeiten für die Organisationsarbeit der SPD auszuwirken begann, wuchs unter ihrer Führung die SPD - Frauenarbeit so-wohl zahlenmässig als auch in der Vielfalt der Probleme, die angespro-chen wurden. Fast ein Drittel aller Mitglieder der SPD waren damalsFrauen, und im Reichstag gab es keine der gross en politischen, wirt-schaftlichen, sozialpolitischen und kulturellen Fragen, in denen nichtauch die Frauen ein sehr gewichtiges Wort mitzusprechen hatten.Wir, die wir nun selber heute schon grau geworden sind, lernten indieser Zeit des Aufstiegs und des Erfolges von Marie Juchacz nicht nur' das Handwerkliche' der politischen Arbeit, sondern ihr Beispiel zeigteuns vor allem, dass für eine nachhaltige Wirkung der Arbeit für dieZiele unserer grossen sozialistischen Bewegung nicht nur ein Wissen umForm und Inhalt notwendig ist, sondern dass gerade diese Arbeit die Be-reitschaft, den ganzen Menschen einzusetzen, verlangt. Ich glaube,nichts kennzeichnet Marie Juchacz besser als der unvergessliche Aus-spruch, den sie einmal getan hat:' Wir dürfen nicht fragen, wasbie-tet
mir die sozialistische Bewegung, sondern was kann ichder sozialistischen Bewegung geben.- Gerade weil die Menschen,die mit ihr zu tun hatten, ob Freunde oder Gegner, diesen inneren An-trieb ihrer Arbeit spirten, war und ist sie x****
********* weit über die Kreise der Sozialdemokratischen ParteiDeutschlands hinaus im In- und Ausland geachtet, bewundert und ver-ehrt. Wir sind stolz, dass unsere Bewegung Menschen wie Marie Juchacz hervorgebracht hat."
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Die Arbeiter- Wohlfahrt, am 13. Dezember 1919 gegründet, war noch inihren allerersten Anfängen. Marie Juchacz befand sich auf einer Reisedurch Oberschlesien und die deutschen Ostprovinzen, In Posen lernte sieMartha- Eva Parker- Prochownik kennen, eine an allen Problemen brennendinteressierte Frau, die sie sofort zur Mitarbeit heranzog:
" Im März 1920 hatte ich eine Konferenz mit Marie Juchacz in Berlin über die politische Lage in der Stadt und Provinz Posen , die sich