Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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in Berlin , die ebenfalls auf Wohnungssuche waren, und so ergab essich von selbst, dass sich einige der noch nicht sesshafte gewordenenSozialdemokraten in dieser Siedlung niederliessen. Während sich Marie,Lisbeth und Emil für das Häuschen in der Alten Dahlwitzerstrasse 83entschieden, wählten Toni Pfülf , Elfriede Ryneck , Johannes Stelling und mancher andere die nähere oder weitere Nachbarschaft dazu.Die unmittelbare Sorge um die Kinder Lotte, Paul und Fritz waren dieMütter und der neue Stiefvater Emil insofern losgeworden, als Lottenach wie vor eifrig Jura studierte, unter anderem auch im Ausland, soin Grenoble in Frankreich , während Paul nach und nach auf verschiede-nen Provinzialgütern als landwirtschaftlicher Verwaltungsassistentund Praktikant für seine zukünftige Aufgabe als Gutsverwalter vorbe-reitet wurde. Fritz, dem die Großstadt- Athmosphäre mit ihren durchdie Inflation besonders offenkundig gewordenen Gefahren allerlei Kum-mer machte und nicht nur ihm, sondern auch seinen Müttern und sei-nem Stiefvater suchte sich aus den verschiedenen Landschulheimen,die in Salem , in Juist , шяя im Odenwald und anderswo entstanden waren,Schloss Letzlingen in der Altmark aus, um dort die letzten beidenJahre vor seinem Abitur zu lernen. Diese Trennung der Familienmit-glieder voneinander hatte aber nicht die geringste Entfremdung zurFolge. Im Gegenteil, die Gelegenheiten, bei denen man sich im Fami-lienkreis wiedersah, ergaben sich nicht nur in den Ferien. Da dasHäuschen in Köpenick auf die Dauer für die Unterbringung aller Fami-lienmitglieder zu klein war, und es sich herausgestellt hatte, dassnicht nur Marie einen eigenen Wohn- Teil haben müsse, sondern auchLisbeth und Emil, weil alle drei zu den verschiedensten Tages- undauch Nachtzeiten ein- und ausgingen und auch zu Hause arbeiteten,wurden Erweiterungspläne für das Häuschen geschmiedet. Es war eineArt Ausgleichssport, mit eigenen innenarchitektonischen Ideen nichtnur theoretisch Raum für alle zu schaffen, sondern auch praktischdurchzuführen. Und was hier in Köpenick entstand, war wirklich prak-tisch und durchdacht bis in alle Einzelheiten. Manche Idee zur Lösunginnerbaulicher häuslicher Probleme hätte nicht nur heute noch Gül-tigkeit, sondern könnte immer noch Beispiel sein. Zweifellos hathier das Erbe, das Ma rie und Lisbeth von ihren Eltern mitbekommenhatten, mitgeholfen, aber beide Frauen übersetzten ihre natürlicheBegabung auf zugleich in die Erfordernisse der Zeit, um die für alle

Menschen schwer war.[ Der verlorene Krieg, udie darauf folgenden Wirren

mit Putschen, Streiks und Unruhen, die Inflation, die die Gegensätzenoch deutlicher und bitterer machte, die deutsche Wirtschaft, die

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