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fachliche Schulung, das heisst eine Sozialarbeiter- Ausbildung erfor-derlich. Diese Einsicht führte im Jahre 1928 unter der Initiative vonHedwig Wachenheim zur Schaffung der Woglfahrtsschule des Hauptausschus-ses für Arbeiter- Wohlfahrt in Berlin . Wesentlich war, dass es jungenMenschen aus der Arbeiterbevölkerung im ganzen Lande, die den Wunschhatten, in der Wohlfahrtspflege zu arbeiten und die menschlich geeig-net erschienen, möglich gemacht wurde, eine Berufsausbildung zu erlangegen, wie sie seit Jahrzehnten jungen Mädchen in den von Alice Salomon begründeten Sozialen Frauenschulen zugänglich war.
Bevor es zur Gründung der Wohlfahrtsschule kam, war ein langer Weg zu-rückzulegen, der trotz der Unruhe der Zeit und der Unbeständigkeit derpolitischen Entwicklung der Weimarer Republik immer nach oben führte.Die Arbeiter- Wohlfahrt war noch nicht fünf Jahre alt, als Marie Juchacz zusammen mit Johanna Heymann zum ersten Mal mit einem Bericht über ih-re Arbeit vor die Öffentlichkeit trat. Dieser Bericht, ein umfangrei-ches Buch mit 236 Seiten, gibt nicht nur ein Bild der Arbeit von Marie Juchacz und ihren Mithelferinnen und Mitstreitern in Stadt und Land,zeigt nicht nur das Wachstum einer Organisation, die aus privater Ini-tiative entstand und über Nacht zum nicht mehr wegzudenkenden Bestand-teil der allgemeinen Wohlfahrt in Deutschland wurde, sondern ist zu-gleich ein Spiegelbild der politischen und sozialen Strömungen dieserZeit.
Wenn über Leben und Arbeit von Marie Juchacz berichtet werden soll,ist dieser Abschnitt von 1919 bis 1933 wohl der wichtigste, weil Mariehier die Möglichkeiten hatte, in der Praxis zu dokumentieren, was siesich in ihrer nicht leichten Jugend mit vielen Mühen theoretisch erar-beitet hatte. Die Vorstellungen, die sich aus der Not ihres jungen Le-bens und ihrer auf Landsberg beschränkten Erfahrungen entwickelten,und die Erlebnisse des ersten Weltkriegs in Köln drängten ihr die Ini-tiative direkt auf, als nach der Revolution von 1918 die junge Weima rer Republik auf Grund der neuen Gesellschaftsordnung die Voraussetzun-gen zu praktischen Maßnahmen schuf. Als Marie Juchacz und Johanna Hey-mann dann 1924 den ersten Buch- Bericht herausgaben, war das zugleichein Rechenschaftsbericht, der die Richtigkeit der 1919 mit der Grün-dung der Arbeiter- Wohlfahrt eingeschlagenen Richtung unterstrich. WasMarie in ihrer Einleitung sagt, umreisst besser als alles andere Rxadas Programm und das Ziel dieser Organisation:" Arbeiter- Wohlfahrt also Wohlfahrt nur für Arbeiter? Nein eineWohlfahrtspflege, ausgeübt durch die Arbeiterschaft. Eine Organisation,hervorgewachsen aus der Arbeiterbewegung, mit dem bewussten Willen,ihre eigenen Ideen in das grosse akik Arbeitsgebiet der Wohlfahrts-
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