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Partei übernehmen, aber sie will dadurch, dass sie in den ihr gezoge-nen***** natürlichen Grenzen an der Verhütung, Linderung und Auf-hebung sozialer Notstände mitwirkt, und auch durch ihre Erziehungs-und Schulungsarbeit im staatsbürgerlich demokratischen Sinne wirken."
Zum Schluss dieser Einleitung schreibt Marie Juchacz :
" Ob die Arbeiter- Wohlfahrt das Recht hat, von ihren Leistungen zu spre-chen und Anerkennung zu verlangen, mögen nach dem Lesen dieses BuchesFreunde und Gegner beurteilen."
Nach fast fünfjährigen Rätigk** k Bestehen der Arbeiterwohlfahrt konntediese Organisation Leistungen nachweisen, die- wenn sie nicht gewesenwären wahrscheinlich noch schneller zu der Radikalisierung des poli-tischen Lebens geführt hätten, als es durch die allgemeine wirtschaft-liche und politische Not dieser Weimarer Republik - Zeit geschah. Dabeierwuchsen der jungen Arbeiter- Wohlfahrt nicht vorausgeahnte Schwierig-keiten:
" Die junge Organisation wurde ausserhalb der Arbeiterbewegung mit Neu-gier, Misstrauen und Zweifeln, aber auch mit einigem wohlwollen undEntgegenkommen aufgenommen. Innerhalb der Arbeiterklasse verhielt mansich zum grössten Teil abwartend und zurückhaltend. Ohne jede Reklame,aber auch ohne falsche Bescheidenheit trat sie in die Arbeit. Sie fühl-te sich von Anfang an nicht nur als Vertreter einer kleinen Schicht, didie als Wohltäter wirken und als solche von den Objekten ihrer Tätig-keit anerkannt werden wollten. Ihre Vertreter kamen mit der ihnenselbstverständlich gewordenen anschauung in die soziale Arbeit, dassder Staat die Pflicht hat, die durch die kapitalistische Gesellschafts-ordnung herbeigeführte, durch den Krieg und seine Folgen verschärfteNot, so weit dies möglich ist, abzustellen, mindestens aber zu lindern.Aus ihrem demokratischen Gefühl heraus erkannten sie die Pflicht, ihreKräfte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Diese Anschauungwurde auch von den sozialistischen Frauen und Männern geteilt, diedurch die Demokratisierung in solche staatlichen und städtischen Äm-ter gekommen sind, in denen sie mit der allgemeinen Wohlfahrtspflegezu tun haben. Die Arbeiter- Wohlfahrt hatte noch keine Tradition inder Wohlfahrtspflege. Mit dem Augenblick aber, wo sie die seit Jahrenauf diesem Gebiet wirkenden Kräfte organisatorisch zusammenfasste,konnte sie sich mit gutem Recht mit allen alten Organisationen in Reihund Glied stellen, die die Entwicklung erst zur geistigen Umstellunggezwungen hat. Welche Wohlfahrtsorganisation verfügt wohl über mehrmoralische Kräfte, wie sie in den unverbrauchten breiten Massen, diehinter, der Arbeiterwohlfahrt stehen, vorhanden sind."