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In ihrem Schluss- Wort zu diesem Buch sagt Marie Juchacz :" Was wir bringen konnten, sind Bruchstücke aus einer ungeheurenFülle, die nicht entfernt die Arbeit wiedergeben können, die wiruns gemacht haben. Wenn das Buch dazu beiträgt, zu zeigen, was dieArbeiterwohlfahrt ist, hat es seinen Zweck erfüllt. Wir sind nichtso vermessen, zu sagen, dass die Arbeiterwohlfahrt die Organisa-tion sei, die das soziale Elend x* x***** ки zum grossen Teil verhin-dern oder gar abschaffen kann. Die Träger der Bewegung sind sich be-wusst, dass andere Machtfaktoren an der Umformung der wirtschaftli-chen und der dadurch bedingten sozialen Verhältnisse mitwirken müs-sen. Dass aber die Arbeiterwohlfahrt in den ihr gezogenen Grenzendazu beiträgt, Kindern und jungen Menschen in ihrer Entwicklung zuhelfen, reife Menschen in ihrem Existenzkampf zu stützen, Alten undInvaliden wirtschaftliche Hilfe und etwas Sonnenschein zu geben, unddie Ausführenden durch die Arbeit selbst zur Pflichterfüllung imDienst der Allgemeinheit zu erziehen, glauben wir gezeigt zu haben."
und
In diesem Jahre 1924 meldete sich auf der Wohlfahrtsschule der AW inBerlin die Tochter eines Königsberger Tischlermeisters an: Lotte Lem ke . Mit ihren damals 21 Jahren konnte sie nicht ahnen, dass sie ein-mal das Erbe von Marie Juchacz nicht nur übernehmen, sondern aus demNichts des Zusammenbruchs 1945 zu neuem und noch grösserem Leben wie-dererwecken würde. Sie war schon als Kind an sozialen Problemen in-teressiert, gehörte der Königsberger Arbeiterjugend an und kam dadurchzur Sozialdemokratie. Auf einer sozialen Frauenschule wollte sie sichauf den Beruf der Fürsorgerin vorbereiten auf der Berliner Wohlfahrtsschule xxkkk* x* x* ihr Examen als Wohlfahrtspflegerin ablegen. In die-ser Zeit hatte Lotte Lemke noch keinen Kontakt zux Marie Juchacz undzu den grossen Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt, maяж* я bestand mit Er-folg ihr Examen und ging dann als Kreisfürsorgerin in den LandkreisKalau . Marie Juchacz hat in dieser Zeit nicht einmal ihren Namen ge-hört. Sie war restlos eingespannt in ihre Tätigkeit als Vorsitzendedes Hauptausschusses, als zentrale Frauensekretärin und Vorstandsmit-glied der Sozialdemokratischen Partei, als Mitglied des Reichstagsund als journalistische und schriftstellerische Mitarbeiterin vonZeitungen und Zeitschriften. Ganz zu schweigen von den Reisen, diesie unternehmen musste, um überall in Deutschland auf kleinen undgrossen Versammlungen, Konferenzen und Tagungen zu sprechen. WährendLotte Lemke sich auf ihr Examen vorbereitete, war Marie Juchacz inHannover , um die zweite Reichskonferenz des Hauptausschusses, der Be-zirks-, Kreis- und Ortsausschüsse für Arbeiter- Wohlfahrt im Beethoven