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saal der Stadthalle von Hannover zu leiten, nicht weit entfernt vonder Stelle, an der 22 Jahre später Lotte Lemke in der Dachkammer ei-nes zerbombten Hauses ohne jegliches Möbel und ohne Beleuchtung mitdem Wiederaufbau der durch Nationalsozialismus und Krieg völlig zer-schlagenen Arbeiter- Wohlfahrt begann.
Auf dieser Septemberkonferenz 1924 stellte Marie Juchacz mit der schondamals bei ihr so ausgeprägten Nüchternheit, Sachlichkeit und Kürzefest:
" Als die Arbeiter- Wohlfahrt am 15. September 1921 zu ihrer erstenReichskonferenz in Görlitz zusammentrat, blickte sie auf eine nichtganz zweijährige Tätigkeit zurück. Zwei Jahre Leben sind für eine Or-ganisation eine kurze Spanne Zeit. Deshalb war es damals noch einTasten und Suchen nach der geeigneten Organisationsform und nach denBetätigungsmöglichkeiten. Nicht, dass man sich über die grossen Zieleder Arbeiter- Wohlfahrt nicht klargewesen wäre, aber in den Formen undüberallMöglichkeiten der Betätigung war man noch nicht so sicher wie jetzt.Ich habe oft während der nicht gerade geringen Arbeitslast darandenken müssen, dass wir wenn die Kindernot, die Inflation mit ihrenNebenerscheinungen und die vielen anderen Schwierigkeiten nicht dagewe-sen und uns alle so in Atem gehalten hätten, wir viel mehr theoreti-siert hätten. Und in solchen Debatten hätten Prinzipien und Statuten.sicher eine bedeutende Rolle gespielt. So aber hatten wir einfachkeine Zeit dafür."
wären
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Wenige Monate später, am 4. Januar 1925, fand in Berlin eine Konfe-renz des Hauptausschusses und der Bezirksvertreter statt, auf der diein Hannover vorgebrachten Anträge durchgearbeitet wurden. Einer dieserAnträge behandelte die Zusammensetzung des Hauptausschusses und desSachverständigen- Beirats, der sich in zehn Fachkommissionen aufglie-derte: Organisation der AW: Vorsitz Elfriede Ryneck . Organisation derWohlfahrtspflege bei den Selbstverwaltungskörpern: Vorsitz Landeshauptmann Dr. Caspari. Allgemeine Fürsorge: Vorsitz Ministerialrat Dorothea Hirschfeld . Jugendwohlfahrt: Vorsitz Stdtrat Dr. Friedländer. Kinder-erholungsfürsorge: Vorsitz Stadtarzt Dr. Silberstein. Anstaltswesen:Vorsitz Elisabeth Kirschmann- Roehl, M.d.L. Sozialhygiene: Vorsitz Ade le Schreiber- Krieger . Sozialpolitik: Vorsitz Louise Schröder , M.d.R.Ausbildung, beruflich und ehrenamtlich: Vorsitz Regierungsrat Hedwig Wachenheim . Ausschuss für literarische Arbeiten und Archivwesen: Vor-sitz Frau S. Wronski.
Diese Aufstellung wurde nicht nur deshalb gegeben, um anzudeuten, mitwelchem Aufgabenkomplex sich die junge Arbeiterwohlfahrt beschäftigte.Sie enthält auch den Namen von Elisabeth Kirschmann- Roehl als Vor-