Gür Köln
- 170.Wohlfahrtybeschäftigt. Sie nimmt nur am Rande Kenntnis davon, dasssich von Kahr, Generalstaatskommissar in Bayern , sowie General vonLossow und Oberst Seisser von den Hitler- Putschisten distanziertenund die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und einigesogenannte' Kampfverbände" auflösten.
Noch unter dem Eindruck der Kölner Konferenz mit den Versicherungender vielen ausländischen Vertreter, die ihre Hilfe zugesagt haben,liest sie in der Eisenbahn von Köln nach Berlin die Berichte überden Münchener Putsch, dass der in einer Villa am Staffelsee vergafte-te Anführer der Putschisten, Adolf Hitler , demnächst vor ein Gerichtgestellt und abgeurteilt würde. Endlich ein Ausblick, dass wenigstensvon dieser innerdeutschen Seite keine Ruhestörungen mehr erfolgenwerden. Rafür In Berlin stürzt sie sich in eine neue Arbeit, denndie um die Jahreswende erfolgte Stabilisierung der Mark zwingt dieArbeiter- Wohlfahrt, sich auf die neuen Währungsverhältnisse einzustel-len. Ausserdem hat ein amerikanischer Finanzexperte, Charles Dawes ,einen neuen Pfan ausgearbeitet, der für Deutschland eine Chance be-deutet, auch wenn das Reich bis 1928 jährlich 1 Milliarde und 750Millionen Mark, und von 1928 ab pro Jahr 2 Milliarden und 500 Millio-nen Mark an Entschädigungen zu zahlen hat. Dafür fliessen ausländische,vor allem amerikanische Kredite zum Aufbau der Wirtschaft nach Deutsch land.
Bei den Verhandlungen über Annahme oder Ablehnung des Dawes-Planeslässt Marie keine Sitzung im Reichstag aus. Die Zeit, die sie für ihreandere Arbeit verliert, holt sie in den Nächten nach. Das gleiche Pen-sum wird von allen anderen Parlamentariern absolviert. Kein Wunder,dass*** Marie, nun 45 Ja hre alt, manches Mal seelisch, geistig undkörperlich völlig erschöpft ist. Sie treiben alle Raubbau mit ihrenKräften, aber dieses Übermaß von Arbeit scheint sich zu lohnen, dennEnde Juli 1924 räumen die Franzosen das Ruhrgebiet , und im Augustwerden auch Düsseldorf , Duisburg , Mülheim und Oberhausen besatzungs-frei. Es hat den Anschein, als ob sich die Lage in Deutschland nunberuhigen würde, umsomehr, als in Frankreich und England, den Erb-feindländern, linksgerichtete Regierungen zur Macht kommen: der Ra-dikalsozialist Herriot und der Arbeiterführer MacDonald,[ Das währe Gesicht des verlorenen krieges]Doch die Arbeiter- Wohlfahrt steht vor schier unlösbaren Aufgaben,denn jetzt zeigt sich erst das wahre Gesicht des verlorenen Kriegesmit seinen unzähligen Folgeerscheinungen: auf der einen Seite diekleine Schicht der Kriegs- und Inflationsgewinnler, die sich in Han-del und Industrie Schlüsselpositionen geschaffen haben und aus Furchtvor irgendwelchen Sozialisierungsmöglichkeiten jede nationalistischeStrömung unterstützen, und auf der anderen Seite die Masse der rest-
Trotz