-
- 173-
auch
-
Gültigkeit auf lange Sicht, war hieb- und stichfest und überzeugteworauf es sehr oft ankam manchen Gegner im Freundes- undFeindeslager. Aber sie fühlte sich selbst sicherer, wenn sie zu man-chen Dingen, die entschieden werden mussten, zuvor die Meinung andererhörte, vor allem die von Lisbeth und Emil, die zu ihr und zur Familiegehörten wie das Häuschen in Köpenick mit seinem Garten- und mit demDackel und dem Kater, die in dieser Zeit als neue Mitglieder zur Fa-milie kamen. Es wurde ein seltenes, aber mit desto grösserer Freudegenossenes Vergnügen für Marie, mit Pummeline, der wasch- und rasse-echten Dackelhündin an der Leine, kurze Abendspaziergänge vor Sonnen-untergang zu machen, in den Köpenicker Wald, der 2 zwanzig Schrittevom Haus entfernt begann. Kater Murr, mit einem grossgezeichnetenweiss- grauen M auf der Stirne, begleitete die beiden ein Stück Wegsund machte sich dann selbständig. Auf diesen Spaziergängendie ersten bewusst erlebten, erholenden Stunden in Maries Leben,-ver-suchte sie, nicht an die immer drückender werdenden politischen Ent-wicklungen zu denken, sondern sich ablenken zu lassen durch das, wassie an Pflanzen und Tieren sah. Manches Mal kam sie mit einem kleinenWaldblumenstrauss nach Hause, der dann- in einer einfachen, geschmack-vollen Vase untergebracht- ihren Schreibtisch schmückte. Aber dieseSpaziergänge lassen sich aufzählen, so selten waren sie. Wenn Lisbethund Emil in Berlin waren, und das war sehr oft der Fall, oder auchLisbeths Sohn Fritz in Schloss Letzlingen Ferien hatte und nach Ber lin kam, wurden diese Spaziergänge gemeinsam durchgeführt. Die Anwesen-heit von Fritz, der öfter nach Berlin kam als Maries Kinder Lotte undPaul, wurde als dankbare Ablenkung empfunden, weil' die drei Eltern'endlich Gelegenheit hatten, sich mit den Problemen eines jungen Manneszu beschäftigen, der kurz vor dem Abitur shaad und dann vor der Wahlder nächsten beruflichen Schritte stand. Während Lotte in der Jurispru-denz und Paul in der Landwirtschaft gute Berufs- und Zukunftsaussichtensahen, war es bei Fritz problematischer. Er spielte schon recht gutGeige, war überhaupt musikalisch, weshalb Lisbeth manchmal mit dem Ge-danken spielte, ihn Musik studieren zu lassen. Emil war völlig andererMeinung und sah in ihm einen zukünftigen Lehrer. Marie enthielt sichmeistens bei solchen Unterhaltungen der Stimme, benutzte aber mancheGelegenheit unter vier Augen, um mit dem Jungen, der ihr genau so ansHerz gewachsen war wie ihre eigenen Kinder, ein offenes Wort zu reden.Sie gab dann auch bald darauf den Ausschlag mit ihrer Stimme, dassFritz in Berlin bleiben und mit dem Studium der Neuphilologie beginnensolle, da er eine ausgesprochene Begabung für moderne Sprachen habe.Der stille Wunsch des Jungen, Journalist zu werden, wurde vorerst be-