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Landkreis des Niederlausitzer Braunkohlenreviers, von Hedwig Wachen heim aufgefordert, eine Arbeit im Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrtzuj übernehmen. Ich sollte mich zu einer Besprechung******** bei Ma rie Juchacz in ihrem Berliner Partei büro einfinden. Ich habe den Tagim August noch lebhaft in Erinnerung, an dem ich die Treppen im Hau-se Lindenstrasse 3 hinaufstieg, zaghaft an die Türe mit ihrem Namens-schild klopfte und ihr dann in dem langen, schmalen Zimmer, dem einigegut gehaltene Blattpföanzen viel von seiner sachlichen Strenge nahmen,gegenüber sass. Was lag näher, als dass die junge Fürsorgerin unsicherund zaghaft fragte:' Warum gerade ich? Und bin ich denn nicht viel zujung?!, und Marie Juchacz lächelnd antwortete:' Das letztere ist einFehler, der mit jedem Tage mehr verschwindet, und im übrigen haben wirVertrauen zu Ihnen'. Das Gefühl der Verpflichtung, das sich aus demStolz und der Freude über diese Auszeichnung entwickelte, hat michniemals verlassen. Und auch niemals das Gefühl der Ergebenheit, dasdamals gegenüber der ruhigen, ernsten Frau von meinem Herzen Besitzergriff. Am 14. September 1929 trat ich meinen Dienst im Hauptaus-schuss an. Selten wird ein Mensch bei Antritt einer neuen Tätigkeitauf so viel freundliche und kameradschaftliche Bereitschaft stossen wieich damals. Die Mitglieder des Vorstandes, der Lehrkörper der AW- Wohl-fahrtsschule, die Mitglieder der verschiedenen Fachausschüsse allesNamen von gutem Klang in der Fachwelt-, nicht zuletzt die Mitarbei-ter in der Geschäftsstelle nahm en mich ohne Vorbehalt auf, stütztenmich und halfen mir, wo immer sie konnten. Marie Juchacz , ernst, herb,spanntestellte mir Aufgaben, xax den Rahmen meiner Verantwortlichkeit immerweiter, regte an, ermutigte. Ich kann mich nicht erinnern, dass wirjemals über Persönliches gesprochen haben, aber die sachliche Kamerad-schaftlichkeit war ungeheuer stärkend und gab ein gutes Gefühl von Si-cherheit auch im Menschlichen.
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Wenige Monate nach Aufnahme meiner neuen Tätigkeit beging der Haupt-ausschuss die Feier seines zehnjährigen Bestehens. Im Plenarsaal desehemaligen Preussischen Herrenhauses sprach Marie Juchacz : unpathe-tisch, klug und klar gab sie in vorbildlich kurzer Rede einen Über-blick über die Entwicklung der jungen Organisation:' Die Arbeiterwohl-fahrt fand in der Demokratisierung des öffentlichen Lebens ihre Lebensbedingungen. So musste sie entstehen. Wir wünschen ihr weiteresWachstum nach innen und aussen. Alles flies st. Es gibt noch viel Brach-feld für eine moderne Wohlfahrtsorganisation im neuen Deutschland .'Ja, es gab viel Brachfeld. Die Weltwirtschaftskrise kündigte sich an.yIn dieser Situation, in der die deutsche Arbeiterbewegung in allen ihrren Zweigen einen verzweifelten Kampf um die Aufrechterhaltung ihrer