Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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und grosse Arbeit geleistet in den letzten Jahren. Ihr Wesen aberblieb immer heiter, immer eine Freude für ihre Umgebung. In diesemihrem Wesen liegt der andere Teil ihrer Bedeutung für die Arbeiter-wohlfahrt und igre Führerstellung im sozialpolitischen Ausschuss derpreussischen Landtagsfraktion. Sie nahm sich mit ihrer liebenswürdi-gen Güte der Sache und der Menschen an, und darum ordneten sich die-se gerne ein.

Ihr Tod ist für die Arbeiterwohlfahrt ein harter Schlag."

Lotte Lemke , die kurz zuvor als Geschäftsführerin des Hauptausschussesberufen worden war, schreibt im Jahrbuch der AW 1930 in einem Nach-ruf:

" Durch den Tod von Elisabeth Kirschmann- Roehl verlor der Hauptaus-schuss für Arbeiterwohlfahrt eine Persönlichkeit, die seit den An-fängen der Arbeiterwohlfahrt an ihrem Aufbau und Ausbau mit grosserTatkraft mitgearbeitet hat. Ihrem starken Lebenswillen und ihrer Tat-kraft verdanken wir wertvolle Impulse und Erfolge. Über die Organi-sation hinaus nahm sie maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung deröffentlichen Fürsorge. Ihre Tätigkeit in der Nationalversammlung undim Preussischen Landtag ist für die soziale Gesetzgebung von Bedeu-tung gewesen. Unvergesslich wird die Arbeit bleiben, die sie als Vor-sitzende der Anstaltskommission für die Arbeiterwohlfahrt geleistethat. Das umfangreiche Arbeitsgebiet dieser Frau lässt sich kaum um-reissen. Doch eins verdient besonders hervorgehoben zu werden: mitgrosser Liebe und der ihr eigenen Zähigkeit half sie an dem Aufbauunseres Berufserziehungsheimes' Immenhof'. Wenn einmal der Versuch derArbeiterwohlfahrt, neue Wege der Fürsorgeerziehung einzuschlagen undneue Formen zur Lebensertüchtigung der gefährdeten und vom Wege abgeeirrten Kinder zu finden, verwirklicht ist, so wird ihr Name an ersterStelle genannt werden. Der Hauptausschuss verliert in ihr eine Mit-arbeiterin, in der die soziale Idee ihre reinste Verkörperung gefun-den hat."

Der Leser wird sich mit Recht wundern, dass sowohl Hedwig Wachenheim in ihren Nachrufen,als auch Lotte Lemke zwar dem Wesen von Elisabeth und igrer geleiste-ten Arbeit gerecht wurden, dass aber keine von beiden in irgend einerForm in diesem Zusammenhang den Namen von Marie Juchacz erwähnte, dieSchwester, die mehr als nur ihre beste Mitarbeiterin verlor, nämlicheinen Teil ihres eigenen" Ichs". Den beiden Verfasserinnen und Mitar-beiterinnen war es auf Grund des eigenen Verhaltens von Elisabeth undMarie im Augenblick der Niederschrift dieser Nachrufe garnicht zumBewusstsein gekommen, auf die seelische und geistige Bindung und